Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Heber das constitutum possessorium.

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den gewesenen Besitzer nichts mehr angeht, und die der
Stellvertreter auch dann fortsetzen würde, wenn der Besitz nicht
durch das Aufgeben des animus possiäenäi, sondern durch
den Tod des Besitzers sein Ende erreicht hätte. Das Aufgeben
des animus possiäenäi hat also in dem Falle, wo der Be-
sitzer die natürliche Detention selber ausübt, keine andere Folge,
als da wo er dieselbe durch Stellvertreter ausüben läßt. In
beiden Fällen bleibt lediglich das physische Gewaltverhältniß,
und der Unterschied besteht nur darin, daß derselbe in jenem
Falle für die Person des Besitzers, in diesem für die Person
des Stellvertreters begründet ist.
Ueber das Berhältniß des Besitzers zu seinem Stellver-
treter habe ich hier ferner noch folgendeszu bemerken. Dasselbe
selbe beruht auf einer Willensübereinstimmung, die indeß einen
klagbaren Vertrag jedenfalls nicht begründet, wenn es auch
unbedenklich sein mag, sie mit Savigny als Auftrag zu be-
zeichnen. Sie ist stets vorhanden, wenn Jemand die Deten-
tion, welche er ausübt, nicht für sich, sondern für einen An-
deren ausüben soll und will, kommt aber für sich allein nicht
vor, weil der Besitzer nicht dabei interessirt ist, einen Stell-
vertreter zu haben, dessen Aufgabe nur darin besteht, den Be-
sitz auszuüben. Dazu hat er einen Stellvertreter nicht nöthig,
und was wäre z. B. dem Deponenten damit gedient, wenn
er anstatt des Depositars einen bloßen Besitzrepräsentanten ohne
eoutractliche Pflichten hätte. — Verträge und dingliche Rechte,
deren Natur es mit sich bringt, daß der Besitzer seinem Mit-
eontrahenten oder dem dinglich Berechtigten die Detention an-
vertraut, ohne den Besitz aufgeben zu wollen, haben jene
Willensübereinstimmung und das auf derselben beruhende Reprä--
sentationsverhältniß stets im Gefolge. Der Repräsentant er-
hält die Detention, nicht, weil er Repräsentant ist, son-
dern er ist vielmehr lediglich darum Repräsentant, weil er

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