Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Der Urkundenbeweis.

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Der Beweis der Aechtheit wird hier durch die der Urkunde
selbst anhaftenden Kennzeichen der Aechtheit erbracht, vorbehalt-
lich natürlich des Beweises der Fälschung. Dasselbe Pflegt ange-
nommen zu werden bei den Urkunden sog. siegelmäßiger
Personen.
Auch bei anderen Urkunden kann schon die äußere Er-
scheinung die Aechtheit mehr oder minder verbürgen. So
namentlich bei Urkunden von augenscheinlich hohem Alter, welche
durch die Schwierigkeit, solche Urkunden künstlich zu erzeugen,
eine gewisse Bürgschaft der Aechtheit in sich selbst tragen.
Wo dagegen die Aechtheit nicht schon aus der äußeren
Erscheinung der Urkunde zu entnehmen ist — also in der
Regel bei Privaturkunden — bedarf die Aechtheit besonderen
Beweises.
Dieser Beweis kann zunächst erbracht werden durch eine
mit der Urkunde verbundene weitere Urkunde, in welcher ein
öffentlicher Beamter die Aechtheit der ersteren Urkunde bescheinigt,
indem er entweder die in seiner Gegenwart erfolgte eigenhändige
Niederschrift resp. Unterzeichnung der Urkunde, oder die erfolgte
Anerkennung derselben durch den Aussteller bezeugt. Das ist
die Beglaubigung. Eine Urkunde mit hinzugefügter Be-
glaubigung über ihre Ausstellung enthält einen doppelten Ur-
kundenbeweis; einmal den Beweis, welchen die beglaubigte
Urkunde nach Maßgabe ihres Inhaltes erbringt, und weiter,
als Grundlage dieses Beweises, den Beweis der Aechtheit dieser
Urkunde, welchen die hinzugefügte Beglaubigung liefert.
Man pflegt wohl eine Urkunde, deren Aechtheit durch Be-
glaubigung festgestellt ist, in ihrer Gesammtheit als „öffentliche"
zu bezeichnen. „Oeffentlich" ist aber doch eigentlich nur die
Beglaubigung. Selbstverständlich wird durch die hinzugefügte
Beglaubigung der Werth der von dem Aussteller in der Ur-
kunde abgegebenen Erklärung, sei es in beweisender, sei es in

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