Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Das Precarium und die Emphyteuse.

323

sprüngliche Zweck gewesen, die dem Precaristen ertheilte wie-
derrufliche Concession, welche durch stillscheigende Erneuerung
von Erben zu Erben überging, in einen wirklichen auf die
Erben des Precaristen gestellten Vertrag, also die vorhandenen
Precaristen in Emphyteutae umzuwandeln und ihnen für
diese Verbesserung ihrer Lage eine Abgabe aufzulegen. Die
Absicht des Grundherrn bei dieser Umwandlung, welche auch
bei den Bauern in Deutschland vorgekommen ist'), ist eine,
wenn auch egoistische, doch billige. Er will aus Ländereien,
die er lange zur unentgeldlichen Benutzung weggegeben hatte, ein
Einkommen (reäitu8) ziehen. DerPrecarist muß sich diese
Veränderung gefallen lassen, weil er sonst einfach entfernt
wird^).

II Historische Entwickelung.
1) Umwandlung des Precariums in Emphyteusen.
§ 30.
Diese Umwandlung^) fand zuerst in Italien mit den

Bei Büchel, über Verpfändung der jura in re aliena schimmert diese
Auffassung bereits durch, aber sie ist ihm nicht zum klaren Bewußtsein
gekommen. Vgl. Arndts in Weiske's Rechtslex. III. S. 853 Itote 28.
1) Zn Mecklenburg heißen solche Bauern „regulierte" Bauern
und der schriftliche Contract „Regulativ".
2) In Mecklenburg haben manche Familien auf einzelnen Bauer-
gütern Jahrhunderte lang als Precaristen gesessen und im Laufe der Zeit
ganz vergessen, daß sie bloße Precaristen seien. Es fehlte daher bei ihrer
Umwandlung in Erbzinsbauern nicht an Widerspruch und Klage über
Ungerechtigkeit der Grundherrschaft.
3) Daß die römische Emphyteuse aus dem Precarium entstanden,
beruht nicht bloß auf Schlußfolgeruug. Es finden sich Andeutungen
von einer solchen Umwandlung in den Rechtsvorschriften über kirchliche
Emphyteusen. Irl Nov. 7 cap. 3 pr. ist die Rede von der Constituirung
einer Emphyteuse in re immobili ad pauperes pertinenti, mit welchen
Worten wohl Grund und Boden bezeichnet ist, der armen Leuten preca-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer