Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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H. Dank warbt,

Es verhält sich also mit dem Precarium, wie mit der Con-
stituirung eines Peculiums').

8 5.
Das Precarium ist eine einseitige Willenserklärung,
eine bloße Con cession, d. h. eine ertheilte Erlaubniß, eine Ge-
stattung^). Die etwa voraufgehende Bitte hat also juristisch
überall keine Bedeutung weiter. Auch hier hat das Preca-
pactum de facto und de jure. Beruhte die precarii conditio aus
einem juristischen Pactum, dann müßte der Precarist gegen Eigen-
thumsklagen des Concedenten die exc. pacti conventi haben, welche er
unzweifelhaft nicht hat (1. 12. h. t.) und ein Vertrag auf Restitution
würde den Begriff des Precariums ausschließen fl. 15. § 3 eod.). Es
liegt also zwischen dem Dominus und Precaristen weder ein constitui-
render noch ein obligatorischer Vertrag vor. Meyerfeld, die Lehre
von den Schenkungen, I. S. 64. Schmitthenner a. a. O. S. 62.
63. Aber daraus, daß das Precarium keine conventio ist, folgt keines-
wegs, wie dieser Schriftsteller will, daß es gar kein Rechtsgeschäft
sei und kein Rechtsverhältniß erzeuge.
1) Die Vergleichung des Precariums mit der Eonstituirung eines
Peculiums macht es vollkommen klar und anschaulich, wie sich das Pre-
carium von einem Vertrage unterscheidet. Bei der conce88io peculii
liegt, wie bei der concessio precarii, ein pactum de tacto, aber nicht
de jure vor. Man denke sich, ein Grnndeigenthümer giebt seinem
Sclaven eine Bauerstelle als Peculium und einem Freigelassenen ein
anderes als Precarium, so ist das Verhältniß zwischen beidxn einerseits
und dem Grundherrn andererseits dasselbe. Man kann wohl sagen: was
für Sklaven und Haussöhne daö peculium cum libera administratione,
war für Freie das Precarium.
2) (Jit. 1. 1 pr. b. t.: — quod precibus petenti conceditur.
L. 21. h. t. permissum uti videtur. Darum kann auch einem Pu-
pillen ohne Zuziehung seines Tutors eine Sache gültig und wirksam
precario gegeben werden. Das Wort „Erlaubniß" entspricht am
besten dem Ausdruck „concessio." Daher hat ihn auch v. Savigny
a. a. O. in seiner Definition des Precariums gewählt.
3) Das Wort „precibus" in der angeführten Legaldeftnition bedeu-
tet soviel als „nullo jure cogente", bezeichnet mithin die Unent-
g eldlichkeit. Daher der Ausdruck precario rogare in 1. 14 § 3. b. t.

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