Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Das Precarium und die Emphyteuse.

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tragsmäßigen'). Das Precarium hat das Interessante, daß es
unter völliger Uebereinstimmung des Willens und der Willens-
erklärung beider Interessenten stattfindet, und dennoch juri-
stisch kein Vertrag ist, weil dazu gehört, daß beide Interessen-
ten wollen,daß es ein Vertrag sei, was nicht der Fall ist2).
1) L. 14 h. t.: — nulla eo nomine civilis actio est; magis
enim ad donationis et beneficii causam, quam negotii contracti
spectat precarii conditio. Vgl. unten § 19. Nicht eutgegensteht 1. 23.
D. d. K. J. (I. 50. 17): Contractus quidam dolum malum dun-
taxat recipiunt, quidam et dolum et culpam. Dolum tantum depo-
situm et precarium. Denn das Wort „contractus" ist hier in
der allgemeinen Bedeutung von „Obligatio" genommen, was ganz klar
daraus erhellt, daß auch die communio hier unter den Contractus auf-
geführt wird. Dies übersieht v. V a n g e r o w a. a. O. M ü h l e n b r u ch
handelt daher auch unpassend das Precarium neben dem Eommodat als
Species des Leihcontracts ab. Dadurch, daß dem Eoncedenten später
eine condictio incerti oder actio praescriptis verbis gegeben ist, (1. 2.
19. h. t.) ist das Precarium kein obligatorischer Eontract geworden.
Bgl. unten § 22. Die Literatur über die Frage, ob das Precarium ein
Vertrag sei oder nicht, siehe bei Bulling S. 71. Einige halten es
sür einen R ea l contract. Vultejus comment. ad § 2. J. quib. mod.
re contrah. Langsdorf, über die pacta und contractus nach dem
Justinianischen Rechte § 32, in Hugo's civil. Magaz. Bd. I. S. 172
u. A. Andere für einen In nominat contract. So Hellfeld ju-
rispr. for. § 1869. T h i b aut, Syst. § 557. Hugo in Rote 10 und
13 zu Langsdorf im civ. Magaz. a. a. O. S. 202 und 206. Roch An-
dere für ein paetum praetorium legitimum. So HöPfner,
Comment. 8771. Mackeldey, Lehrb. des heut. röm. R. 8 430. Roch
Andere für ein stillschweigend e i n g e g a n g e n e s obligatori-
sches Verhält n iß auf Rückgabe einer Sache. So Donell,
Comm. L. XII c. 13 § 9. v. Wening-Jugenheim, Civ. R. Buch
III. § 300. Bücher, Recht der Forderung 8 HO. Nicht einmal einen
Q u a s i - Contract kann man das Precarium nennen, wie Cu ja eins
(IV obs. 7) will; denn dadurch würde es für eine Analogie eines
Contracts erklärt, was es nicht ist. In neuester Zeit hat es W i n d-
scheid a. a. O. wieder unter die obligatorischen Verträge gestellt.
2) v. Savig ny a. a. O. S. 556 nimmt ein Pactum zwischen dem
precario dans und dem Precaristen an. Allein er verwechselt eben das

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