Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Der Arbeiter-Vertrag.

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ß) Schlafstelle, Platz für die Effecten des Arbeiters.
§ 65.
Wird der Arbeiter contractlich Hausgenosse des Con-
ductors, so ist er berechtigt, sich in der Wohnung desselben auf-
zuhallen; doch trifft den letzteren nicht die Pflicht, ihn für die
Zeit, wo er unbeschäftigt ist, ein besonderes Gemach anzuwei-
sen % oder ihm den Aufenthalt in seinen Wohngemächern zu
gestatten. Im Winter muß der Conductor für Wärme und
Licht Sorge tragen; die Art der Dienste kann aber Heizung un-
möglich, und gehöriger Fleiß sie unnöthig machen; der Con-
ductor ist aber verpflichtet, dem Arbeiter ein gehöriges Bett zu
gewähren und zwar in ihrer Häuslichkeit an einem für die
Gesundheit nicht nachtheiligen und die Menschenwürde nicht
verletzenden Localität * 2 3). Das Bett muß stets reinlich sein und
sich in einem ordentlichen Zustande befinden. Auch kann der
Arbeiter (mit Ausnahme der Dienstmägde) verlangen, daß ihm
das Bett gehörig gemacht wird. Der Arbeiter braucht sich nicht
gefallen zu lasten, daß Andere mit ihm in einem Bette schla-
fen. Bei der Bentzung des Bettes ist onivis diligentia zu prästi-
ren4). Dem Arbeiter, welcher kein besonderes Gemach zur Benu-
tzung hat, ist ein passender Platz zur Niederlegung seiner Sachen
zu gewähren. Bei der Anweisung des Platzes haftet der Con-

ti Es ist üblich, den Handlungsgehilfen ein besondrres Ge-
'Mach, das zugleich als Schlafstelle dient, zu prästiren, und muß dies
also auch als stillschweigend vereinbart angesehen werden. Ebendasselbe
gilt von Wirthschaftern auf dem Lande. Es ist aber ebenfalls üblich,
ist Mehrere sich ein gemeinschaftliches Gemach gefallen lassen müssen.
2) Bei der Schiffsmannschaft nicht üblich, und daher cessirt die
Verpflichtung des Rheders. Seemanns-O. 8 44.
3) Rach localer Gewohnheit schlafen Pferdeknechte bei ihren Pferden
im Stalle.
4) Rach Analogie der Sachenmiethe.

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