Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Civilistische Kleinigkeiten.

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läßt; nicht blos der, welcher sie verzehrt oder veräußert. Der
donae fid. possessor haftet für einen durch Nachlässigkeit vor
der lit. contestatio herbeigeführten Besitzverlust deshalb nicht,
quia quasi suam rem neglexit (1. 31 § 3 cit.): das kann
von dem mal. fid. possessor zu keiner Zeit gesagt werden.
Soll man ihn aber etwa mit der Ausflucht hören, er habe die
Sache zu Grunde gehen lassen auch ohne Rücksicht darauf,
daß er gewußt, sie gehöre ihm nicht? Eine solche Entschuldi-
gung müßte, um Berücksichtigung finden zu können, vor Allem
aus dem Gebiet rein innerlicher Zustände heraus- und in das
äußerlich wahrnehmbarer Thatsachen umgesetzt werden, wie das
z. B. dadurch geschehen könnte, daß der malae fidei poss.
nachwiese, er habe seine eigenen Sachen mit gleicher Nach-
lässigkeit behandelt. Diesen Weg, sich einer an und für sich
begründeten Verantwortung zu entschlagen, hat aber das römi-
sche Recht mit gutem Grund auf Contrakts- und Quasicon-
trakts-Verhältnisse, und zwar auf einige wenige derselben, be-
schränkt.
Hiernach besteht ein Widerspruch zwischen der herrschenden
Lehre und den Regeln der ficta possessio nicht, und erstere
müßte des Widerspruchs Windscheid's ungeachtet selbst dann
festgehalten werden, wenn sich für dieselbe kein Quellenzeugniß
auffinden ließe. Aber auch ein solches liegt meiner Ansicht
nach vor, und zwar in der 1. 25 § 2 de hered. petit., deren
Würdigung oben noch Vorbehalten wurde. Wind scheid a. a.O.
und Francke (Commentar S. 270 Nr. 2) verstehen die Stelle
von einer bloßen Verminderung der Erbschaft"). Es ist
wichtig, sich klar zu machen, daß dies an sich richtig sein kann,
ohne doch für die vorliegende Frage erheblich zu sein. Wenn
5) So, wie unten geschieht, faßt die Stelle, wie mir scheint, nur
Brinz auf (Pand. S. 694, 1, 6, ß) ohne daß ersichtlich ist, ob er die
Anwendung auf die rei vindicatio zulassen will.

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