Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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F. Eisele,

Alle diese Bedenken gegen Windscheid's Meinung sind
ebenso viele Gründe für die bisher herrschend gewesene Mei-
nung. Bei dem angegebenen Verhältniß beider zu dem Quellen-
material wird es daher, um die erstere mit Sicherheit zu ver-
werfen, weiter nichts bedürfen, als die herrschende Meinung,
welche bisher unvermittelt neben der Regel des dolo desinere
possidere stand, mit dieser Regel zu vermitteln; es wird da-
durch der Windscheid'schen Ansicht ihre einzige Stütze ent-
zogen, und das einzige der herrschenden Doctrin entgegen-
stehende Argument beseitigt.
Diese Vermittlung liegt nun aber ziemlich nahe. Sie
besteht in der Erwägung, daß auf der Grundlage der
mala fides, d. i. des Wissens daß man eine fremde Sache
inne hat, schon jede Vernachlässigung der Sache als
eine Unredlichkeit erscheint. Es ist das ein ähnlicher
Gedanke, wie der, daß Veräußerung der Sache Seitens des
malae fidei possessor, wenn sie auch nicht dolos erfolgt in
dem speciellen Sinn, um sich dadurch der rei vindicatio
zu entziehen, wenn sie also an sich betrachtet nur Aufgeben
des Besitzes, nicht doloses Aufgeben des Besitzes ist, dennoch
auf der Grundlage der mala fides sich als letzteres qualificirt^).
(Vgl. Francke Commentar über den Pandectentitel de fier.
pet. S. 147 f.). Gewiß setzt auch der „sich wissentlich außer
Stand, selbst die Sache später zu restituiren" (Francke a. a. O.)
welcher, wissend daß die Sache ihm nicht gehört, sie durch
Nachlässigkeit zu Grund gehen oder sich abhanden kommen
4) In noch auffälligerer Weise wird in einem an sich nur wegen
dolus und was ihm gleichsteht verpflichtenden Contraktverhältniß auf
Grund einer vorübergehenden dolosen Handlung nachher über
äo1u8' hinaus gehaftet, 1. 1 § 25 depos.: Si rem depositam vendidisti
eamque postea redemisti in causam depositi, etiamsi sine dolo malo
postea perierit, teneri te depositi, quia semel dolo fecisti quum
venderes.

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