Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Beitrag zur Lehre vom Kaufe.

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den, obgleich er den Preis bereits bezahlt hat. Der Verkäufer
ist daher auf die Klage gegen den Herrn angewiesen.
Auch hier glaubt Keller eine Novation annehmen zu müs-
sen, „man könnte in dem für beide Fälle erwähnten Umstande,
daß der procurator dem dominus das pretium bereits ver-
gütet habe, eine leise Andeutung finden, der procurator werde
desto eher seiner Forderung des pretium an den Käufer durch
Novation eine feste Gestalt gegeben haben"29). Auch hier wird
die Ansicht von Keller durch nichts unterstützt.
Selbst Tiktin verwirft sie, versucht dafür aber eine noch
weniger zutreffende Erklärung.
„Is cui hoc dominus permisit“ ist ihm nicht ein Man-
datar, sondern ein „possessor siue bonae siue malae fidei“,
welcher sich vom Herrn die Erlaubniß zum Verkaufe geben
läßt. Tiktin legt dabei auf das „permisit" Gewicht, welches
andeuten soll, daß der Verkäufer ein Interesse am Verkaufe
habe. Auch sei demjenigen „cui hoc dominus permisit" im
Folgenden der „negotium gerens" gegenüber gestellt, und die-
ser Ausdruck begreife im weitern Sinne auch den Mandatar
mit ein.
Wenn dann, so erklärt Tiktin weiter, der Herr und der
Käufer sich hinter dem Rücken des Verkäufers über die Rück-
gabe des Sklaven einigen, so geht gegen die Klage des Ver-
käufers die exceptio redhibitionis. Ganz dasselbe wie diese
ist auch die exceptio mercis non traditae, weil die Rückgabe
denselben Zustand bewirkt, als ob überhaupt nicht übergeben
worden wäre.
Wie ein bonae fidei possessor dazu bewogen werden
sollte sich den Verkauf einer Sache, die er also für seine eigene
hält, gegen Erlegung des Preises erlauben zu lassen, erklärt

29) Keller a. a. O. S. 348.
XIV. N. F. II.

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