Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Civilistische Kleinigkeiten.

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legung muß ich aber Ulpian von dem Verdacht übelangebrachten
Mir-Eifers in diesem Falle freisprechen, und es für wohl-
begründet halten, daß er den ganzen Satz Julians ausgeschrieben
hat. Es ist nemlich erst aus der zweiten, strenggenommen nicht
zur Sache gehörigen Hälfte dieses Satzes, speciell aus den
Worten melior sit causa possidentis quam petentis ersicht-
lich, daß Julian einen andern Fall im Auge hat, als Ulpian.
Hätte Ulpian diesen Theil weggelassen, so mußte der Schein
entstehen, als ob Ulpian den Julian als direkten Gewährsmann
benutze; dadurch aber wäre der Sinn der Worte Julians:
potior sit eui priori res tradita est gewissermaßen gefälscht
worden. Was also auf den ersten Blick als Flüchtigkeit, um
nicht zu sagen Gedankenlosigkeit, erscheint, ist in der That aus
dem gewissenhaften Bestreben hervorgegangen, die Worte Julians
in keinem andern Sinne, als in welchem sie geschrieben wurden,
zu benutzen.
Das Resultat unserer exegetischen Erörterungen ist, um
es kurz zusammenzufassen, dieses: Ulpian und Neratius^) be-
handeln insofern denselben Fall, als beide zwei nicht mehr be-
sitzende donae fidei emtores voraussetzen und die Frage ver-
handeln, welchem derselben die actio Publiciana zu geben sei.
Dabei beschränkt sich Ulpian auf den Fall, wo die Beiden ad
eodem non domino gekauft haben, während Neratius auch
den Fall mit hereinzieht, wo verschiedene Nichteigenthümer die
Verkäufer waren. In Bezug auf den Fall, den sie gemein-
schaftlich behandeln, stimmen sie vollkommen überein; Ulpian
wäre aber auch, daß der Compilator, aus der Stelle des Celsus in die
des Ulpian — die beiden bezüglichen Werke gehören zur Edicts-Masse
— unpassend hineingeflickt hätte.
10) Als Ulpian den 8 3 unserer 1. 9 schrieb, lag ihm eine Schrift
des Neratius vor, in der auch über die aet. kubl. gehandelt wurde,
wie das Citat am Schluß des § 3 zeigt. Vielleicht war es gerade die-
jenige, aus welcher I. 31 äs a. e. v. genommen ist.

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