Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Beitrag zur Lehre vom Kaufe.

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Hieran schließt er den Fall, daß jemand zwei statuliber!
zu einem Preise verkauft und erklärt, jeder müsse zehn geben,
während der eine von ihnen in Wirklichkeit fünfzehn, der andere
fünf geben muß. Hier könnte der Verkäufer ebenfalls mit
der aetio empti belangt werden, obgleich er von beiden zu-
sammen wie versprochen zwanzig empfangen muß. Aber auch
dieser Fall wird ebenso wie der erstangeführte entschieden.
Auch sonst findet sich die exceptio doli bei Kaufklagen
erwähnt, z. B. von Ulpian^):
unde quaeritur, si pars sit pretii soluta et res
tradita postea euicta sit, utrum eius rei conse-
quetur pretium integrum ex empto agens an uero
quod numerauit? et puto magis id quod nume-
rauit propter doli exceptionem.
Der Käufer hat einen Theil des Preises bezahlt, und vor
der Bezahlung des Restes wird ihm der Besitz von einem
besser Berechtigten entzogen. Nach strengem Recht kann er
mit der actio empti Bezahlung des vollen Kaufpreises ver-
langen 33). Indessen entscheidet Ulpian, daß er nur soviel
fordern darf, wie er bezahlt hat, weil ihm sonst die exceptio
doli entgegenstehen würde.
Freilich hatte es nicht mehr die geringste Praktische Be-
deutung zu unterscheiden, ob ein Urtheil nach strengem Recht
oder nur auf Grund einer exceptio doli gefällt wurde.
Denn nach der neueren Auffassung war der Richter durch die
Worte „ex bona fide“ ermächtigt in jedem Falle so zu ur-
theilen, als ob eine exceptio doli in der Formel stände.
Keller faßt die Regel „exceptio doli inest bonae fidei

32) L. 13 § 9. D. A. E. U. 19. 1.
33) Siehe § 9.
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