Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Civilistische Kleinigkeiten.

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dere Bedeutung hat, als da, wo dies a diversis non dominis
geschehen ist. Im ersten Fall ist ihre Bedeutung eine inner-
lich nothwendige, weil mit dem Recht der exceptio rei vendi-
tae et traditae zusammenhängende; im letztem Falle ist sie
einem kleinsten Gewicht zu vergleichen, welches bei gleichschwe-
benden Waagschalen zu Gunsten der einen den Ausschlag gibt.
Bei dieser Entscheidung findet sich also Neratius mit dem
Ausspruch Julians in 1. 9 § 4 eit. so wenig im Widerspruch,
daß er vielmehr den von Julian bezeugten prätorischen Rechts-
satz, soweit aus demselben für den von Neratius behandelten
Fall überhaupt eine Entscheidung abgeleitet werden kann, als
Grund derselben voraussetzt; und es findet sich nicht die leiseste
Spur eines Anhalts für die Annahme, Neratius würde in dem
Fall, wo zwei zur aet. Publiciana Berechtigte, die a diversis
non dominis tradirt erhalten haben, sich als Kläger und Be-
klagter gegenüber stehen, nicht ebenso, wie Julian, dem Besitzer
den Vorzug gegeben haben. Daraus nemlich, daß Neratius
die Priorität der Tradition noch entscheidend sein läßt, wenn
es sich um die Frage handelt, ob dem A oder dem B gegen
einen dritten völlig unberechtigten Besitzer die Publiciana zu
geben sei, folgt offenbar noch nicht, daß dasselbe Moment nun
auch den Ausschlag geben müsse, wenn es sich darum handelt,
ob A die Sache dem B herauszugeben hat oder nicht: dort ist
die Priorität der Tradition gegenüber dem, was der andere
Prätendent für sich anführen kann, ein reines Plus; hier steht
ihr ein anderes, und zwar schwerer wiegendes Moment, nem-
lich ein an und für sich gerechtfertigter Besitz, gegenüber.
Ich wende mich nunmehr zur Erklärung der 1. 9 § 4
dt., wobei sich von selbst, und wie ich hoffe evident, ergeben
wird, daß Ulpian mit Neratius ebenso wenig im Widerspruch
ist, wie Julian. Zunächst ist hier soviel klar, daß Ulpian
nur den Fall im Auge hat, wo ab eodem non dornino^ge-

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