Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Beitrag zur Lehre vom Kaufe.

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dies wohl dahin berichtigen dürfen, daß der Käufer allerdings
dann die Gefahr trägt, wenn der gesammte Vorrath untergeht.
Faßt man die Stelle fo auf, so entspricht sie genau der eben
angeführten. Gajus konnte den Fall, daß der gesammte Vor-
rath unterging, ganz wohl als höchst unwahrscheinlich außer
Acht lassen. Dann bezieht sich der Ausdruck „tune perüei
emptionem exi8timant" nicht auf die verpflichtende Wirksam-
keit, sondern nur auf den Uebergang der Gefahr.
Auf diese Weise lassen sich aus den Quellen die Regeln
über den sogenannten Uebergang der Gefahr Herstellen. Denn
in dem Fall, daß der Vertrag schlechthin über Lieferung einer
bestimmten Menge vertretbarer Sachen abgeschlossen ist, darf man
nach dem oben Gesagten überhaupt von keinem Kaufe sprechen^).
Man hätte also zwei Fälle zu unterscheiden.
Wenn der Preis nach der noch zu ermittelnden Menge der ver-
kauften Gegenstände bestimmt ist, so geht die Gefahr erst nach
Ermittlung der Menge auf den Käufer über. Es heißt „eum
uänumeratu uämensu acipousuue 8int". Dem Käufer soll
zugemessen werden. Daraus folgt, daß die Ermittlung in Ge-
genwart des Käufers oder eines Vertreters desselben vorzuneh-
men ist. Dabei wird natürlich der Verkäufer bei arglistiger
Verzögerung von Seiten des Käufers nicht minder Ansprüche
auf Entschädigung haben, als bei Verzögerung der Uebergabe.
Ein ganz anderer Fall ist es, wenn umgekehrt der Preis
vollständig bestimmt, der Gegenstand aber in sofern noch un-
bestimmt ist, als dem Verkäufer zwischen mehreren Gegenstän-
den die Wahl gelassen wird. Mag es sich dabei um die Wahl
zwischen mehreren dem Stücke nach bestimmten Gegenständen
oder um die Wahl aus einem Vorrath vertretbarer Sachen

26) Windscheid. Pandeklenrecht III Aufl. 2. S. 426. Anm. 15.
Siehe Anm. 10. §. 2.

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