Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

F. Bernhöft.

127

Denn auf ihn leiden ja die angeführten beiden Grund-
sätze keine Anwendung.
Jhering weist dagegen auf die römische Auffassung des
Verhältnisses der beiderseitigen Verpflichtungen hin ,8). Aber
selbst wenn man hiervon absehen wollte, ist doch die Erklärung
von Wächter nicht ausreichend. Denn schon oben wurde ge-
zeigt, daß der Verkäufer unter Umständen befreit wird, wo der
Satz „inax088ibilium nulla obligatio“ nicht anwendbar ist,
nämlich wenn er den Besitz durch Diebstahl oder Raub oder
das Eigenthum durch obrigkeitliche Verfügung — Richterspruch
oder Einziehung durch den Kaiser — an einen andern verliert.
Mit Recht erklärt sich Jhering also gegen Wächter").
Derselbe leitet die in Frage stehende Erscheinung davon ab,
daß Kaufen und Verkaufen in der ursprünglichen Gestalt „so-
fortiges Nehmen (emere) und Geben (uenum dare)“ sei.
Werde es später erfüllt, so habe derjenige die Gefahr zu tra-
gen, welcher den Aufschub verschulde. Das römische Recht lege
nun freilich die Gefahr auch dem Käufer aus, wenn der Auf-
schub nicht ausdrücklich in seinem Interesse erfolge, das ge-
schehe aber nur deshalb, weil sonst „eine höchst unfruchtbare
Quelle prozessualischer Streitigkeiten geöffnet" sein würde.
Diese Ausführung stimmt durchaus zu der hier vertrete-
nen Ansicht. Sie setzt auch voraus, daß der Verkäufer bereits
zur Zeit des Vertragsabschlusses das Verfügungsrecht über die
Sache hat. Wenn er dieses erst erwerben sollte, so könnte von
einer mora noch nicht die Rede sein, am wenigsten auf Seiten
des Verkäufers. Die Billigkeit würde dann auch durchaus ge-
gen den Uebergang der Gefahr aus den Känfer sprechen. Denn ginge
18) Jhering: Beiträge zur Lehre von der Gefahr beim Kaufkon-
Irakt. Jahrb. für Dogm. Bd. III S. 462.
19) Beiträge zur Lehre von der Gefahr beim Kaufkontrakt. Jahrb.
für Dogm. Bd. III S. 463 ff.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer