Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Civilistische Kleinigkeiten.

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sie demjenigen geben, welcher, wenn er die Sache
dem Besitzer abgestritten hat, sich in deren Besitz
dem andern Prätendenten gegenüber behaupten
kann. Er giebt also dem A die Publiciana gegen P dann,
wenn er, Falls A gegen P gesiegt und den Besitz der Sache
erlangt hätte, dem B die actio Publiciana gegen A zu dene-
giren in der Lage wäre. So kommt die Sache mittelst eines
Processes (bestehend aus einer prätorischen Cognitio und
einem iudicium) zur vollständigen Erledigung, wozu andern-
falls (wenn nach Vangerow verfahren worden wäre) eine
doppelte iudicis datio ein doppeltes iudicium, hinterher dann
doch die prätorische Cognitio und eventuell, wenn nemlich zu-
fällig der Prätor dem später obsiegenden B den Vorzug vor
dem A gegeben und A die Sache dem B nicht gutwillig heraus-
gegeben hätte, ein drittes iudicium erforderlich gewesen wäre.
Nachdem nun klargestellt worden ist, warum, wenn es
sich um die Abwägung der Ansprüche zweier zur actio Publi-
ciana gleichmäßig berechtigter Nichtbesitzer gegen einen dritten
Besitzer handelt, die an sich hievon verschiedene Frage:
welcher von diesen Beiden, Falls sie sich als Kläger und Be-
klagter gegenüberstünden, der obsiegende Theil sein werde, herein-
gezogen werden muß, wird eine vollständige Einsicht in die
Gründe der Entscheidung des Neratius unschwer zu gewinnen
sein.
Die vom Prätor zu entscheidende Frage war: ist die actio
Publiciana gegen den P dem A oder dem B zu geben? Diese
Frage rief, wie wir gezeigt haben, die weitere Frage hervor:
wird A oder B, wenn sich diese Beiden als Proeeßparteien
gegenüber stehen, obsiegen? In Bezug auf diese letztere Frage
hatte das prätorische Recht, wie dies der Ausspruch Julians
in 1. 9 § 4 de Publ. in rem bezeugt, und wie auch aus
1. 14 qui pot. 20,4 zu ersehen, den Grundsatz ausgestellt:

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