Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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Beitrag zur Lehre vom Kaufe.

kundus Sempronianus, quidquid Sempronii iuris
fuit, erit tibi emptus tot numis.
Wenn nun der Verkäufer die Möglichkeit der Besitzüber-
tragung nach dem Vertragsabschlüsse verliert, so wird er frei,
und erstattet nur dasjenige, was er etwa selbst dafür erhalten
hat. Man Pflegt diesen Satz so auszudrücken, daß man sagt,
der Käufer trage die Gefahr der gekauften Sache. Damit hat
man einen Namen, aber keine Erklärung gesunden. Zu allem
ist der Name keineswegs vollständig zutreffend, denn der Käu-
fer trägt nicht nur die Gefahr der Sache, sondern auch die
Gefahr des Rechts.
Daß der Käufer keinen Anspruch aus Uebergabe hat, wenn
die verkaufte Sache untergeht, ist natürlich, da die Erfüllung
der Verbindlichkeit unmöglich ist. Wenn die verkaufte Sache
schlechter wird, so erfüllt der Verkäufer derselben durch Ueber-
gabe trotzdem seine Verbindlichkeit. Auch hierin liegt nichts
Besonderes, bei einer Stipulation würde nicht anders zu ent-
scheiden sein.
Für den Kauf aber gilt auch der Satz, daß derjenige,
welcher den Besitz verliert, dem Käufer nur seine Klagen aus
Erlangung der Sache abzutreten hat. Das ist eine Besonder-
heit dieses Vertrages. Der in der Stipulation Versprechende muß
leisten, wenn die Leistung überhaupt noch möglich ist, gleich-
viel ob ihm persönlich die Sache entzogen ist oder nicht. Wäre
der Verkäufer schlechthin zur Gewährung von Besitz verpflich-
tet , so würde der Verlust der Sache, sofern diese selbst
nicht untergeht, beim Kaufe ebenso gleichgültig sein wie bei
der Stipulation: an sich wäre die Besitzübertragung noch mög-
lich, der Verkäufer hätte also zu erfüllen oder Schadenersatz
zu leisten.

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