Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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F. eifeie,

ihm begreiflicher Weise keine, und ebenso wenig die formula
der actio Publiciana. Die Sache würde daher mit Noth-
wendigkeit den Verlauf nehmen, welcher in Note 5 für den
Fall mehrerer konkurrirender Vindicationen als ein möglicher
angedeutet ist: P muß, will er nicht condemnirt werden, die
Sache dem A herausgeben, und wird gegenüber dem B wegen
unverschuldeter Unmöglichkeit der Restitution absolvirt; B bleibt
nichts übrig, als gegen den dermaligen Besitzer A die actio
Publiciana anzustellen. Jetzt müßte der Prätor doch sich
entscheiden, ob er diese Klage dem B gegen den A geben oder
denegiren will, m. a. W. — da das Geben der gewöhnlichen
publicianischen Formel ohne besondern Zusatz nothwendig zur
Verurtheilung des A führen müßte ob er dem A oder B
den Vorzug geben will. Wird aber der Prätor unter allen
Umständen einmal vor diese Entscheidung gestellt: ist es
dann denkbar, daß er damit wartet, bis die Processe A contra
P und B contra P entschieden sind?
Hiemit bin ich — und dies wird die bisherigen processua-
lischen Auseinandersetzungen rechtfertigen — bei dem Punkte
angelangt, dessen richtige Auffassung der Schlüssel sowohl zum
Verständniß unserer beiden Stellen für sich, als zur Erkennt-
niß ihrer vollkommenen Uebereinstimmung ist. Will der Prätor
im Falle der 1. 31 § 2 unnöthige Processe abschneiden, so hat
er beim ersten Erscheinen der Parteien (A, B, P) sich
darüber schlüssig zu machen, ob er die actio Publiciana dem
A oder dem B geben will. Was dabei für ihn maßgebend
gewesen sein muß, kann nicht wohl zweifelhaft sein: er wird
6) Dies folgt daraus, daß die intentio der formula Publiciana
auch dann wahr ist (und folglich zu einem Restitutionsbefehl führen
muß), wenn A Kläger, B Beklagter ist, und umgekehrt. Würde übri-
gens der Prätor die Formel dem B gegen den A nicht pure geben,
sondern mit einem Zusatz, so würde er doch eben in diesem Zusatz dem
iudex eine Norm geben müssen, wonach derselbe zu entscheiden hätte.

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