Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

F. Bernhöft.

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dinglichen Charakter hat, weil sonst jene Unterscheidung für
dieses nicht mehr zutreffen würde.
Die in dem Kauf liegende Erklärung „ich übergebe
dir" enthält eine Unredlichkeit, wenn sie sich auf eine fremde
Sache bezieht. Bei der Stipulation war das anders, hier
wurde nur versprochen zu übergeben, der Versprechende konnte
also das Eigenthum der Sache erst erwerben.
Danach ist auch der Unterschied erklärlich, welchen Pau-
lus bei der Frage nach dem Titel zwischen dem Kauf und der
Stipulation macht. Der Kauf gehört mit zur Veräußerung;
nicht so die Stipulation: bei der Uebergabe zur Erfüllung einer
Stipulation bildet der Zahlungsvertrag den der Uebergabe zu
Grunde liegenden dinglichen Vertrag. Deshalb spricht man
hier von einem titulus pro soluto, dort von einem titulus
pro emptore.
Freilich weichen einige Erklärungsversuche der angeführten
Stellen von der hier gegebenen Erklärung bedeutend ab.
StintzingH leitet den Unterschied zwischen dem titulus
pro emptore unb dem titulus pro soluto aus dem verschie-
denen Charakter der Verpflichtungen ab, welche Kauf und Stipu-
lation erzeugen. Weil nämlich nur in der Stipulation, nicht
auch im Kaufe .Eigenthumsübertragung versprochen ist, so
könnte streng genommen der Kauf gar keinen Titel geben. Da
aber der Kauf ein bonae fidei contractus sei, so werde es
„als die präsumtive Absicht der Parteien angesehen, daß das
babere licere durch Uebertragung des Eigenthums prästirt
werden solle". Hierdurch werde der Kauf überhaupt erst zu
einem Titel, aber doch nur dann, „wenn in concreto jene
Interpretation zulässig ist; dies aber ist nur dann der Fall,
4) Stintzing das Wesen von bona fides und titulus in der Ufnea-
pionSlehre S. 115 ff.

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