Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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Beitrag zur Lehre vom Kaufe.

ptore usucapio locum non habet, diuersitatis causa
in illo est, quod in ceteris causis solutionis tem-
pus inspicitur neque interest, cum stipulor, sciam
alienum esse nec ne: sufficit enim me putare tuum
esse, cum soluis; in emptione autem et contra-
ctus tempus inspicitur et quo soluitur: nec potest
pro emptore usucapere qui non emit nec pro so-
luto sicut in ceteris contractibus.
Bei Empfang zur Erfüllung einer Schuld kann man im-
mer ersitzen, auch wenn die Schuld in Wirklichkeit nicht be-
steht; nur bei Empfang auf Grund eines Kaufes kann man
nicht ersitzen, wenn der Kauf nicht wirklich zu Stande gekom-
men ist.
Diesen Satz stellt Paulus in beiden Stellen an die Spitze
und fährt dann fort:
Der Unterschied hat darin seinen Grund, daß bei allen
andern Verträgen nur auf die Zeit der Uebergabe gesehen wird,
beim Kauf aber auch auf die Zeit des Vertragsabschlusses. Es
ist auch gleichgültig, ob ich zur Zeit einer Stipulation weiß,
daß die versprochene Sache einem Dritten gehört, wenn ich nur
bei der Uebergabe den Zahlenden für den Eigenthümer halte.
Dagegen muß ich zur Ersitzung auf Grund eines Kaufes so-
wohl in gutem Glauben gekauft als empfangen haben.
Ueber beide Stellen habe ich bereits in der Einleitung ge-
sprochen. Ich halte es für unzweifelhaft richtig, wenn Per-
nice^) die Möglichkeit der Unterscheidung von bona und mala
fides beim Kaufe dadurch erklärt, daß der Kauf ursprüng-
lich einen dinglichen Charakter hatte. Nur wird man noch
hinzufügen müssen, daß auch im neuern Recht der Kauf einen

3) Pernice „Labeo" S. 457.

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