Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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F. Eisele,

demselben Zeitpunkt nur bei einem Kläger zutreffen. Hier
konnte der Prätor, selbst wenn mehrere solche Klagen gleich-
zeitig von ihm verlangt wurden, dieselben allenfalls ihren Weg
laufen lassen; das Schlimmste was dabei begegnen konnte,
war das, daß die einzelnen Vindicationen der Beurtheilung
verschiedener iudices anheim fielen, und daß dieser Umstand
zu widersprechenden Entscheidungen führte. In Voraussicht
solcher Möglichkeit gibt eben 1. 57 eit. die erforderliche Prä-
ventiv-Remedur an die Hand. Indem nemlich der zuerst ob-
liegende Kläger (es sei A) die Sache nur erhält gegen eine
Caution: si alter (B) fundum evicisset, eum (scii, fundum
se) praestare, ist er genöthigt, dem gewesenen possessor in
dem Vindicationsproceffe gegen B zu assistiren und dem B
gegenüber darzuthun, daß er, A, allerdings der Eigenthümer
sei, womit dann von selbst auch gegeben ist, daß der B es
nicht ist. Der iudex des zweiten Processes (B contra P) ist,
ohne daß die Sache nochmals an den Prätor zu gehen braucht,
vollkommen in der Lage, darüber zu entscheiden: weil nur Einer
der Beiden Eigenthümer sein kann, und weil darüber, wer
dies sei, das ins civile die Normen enthält. Auch liegt in
einem solchen Entscheid des im zweiten Proeeß fungirenden
iudex keine quasi- ober- instanzliche Reformation des von dem
andern iudex in Sachen A contra P gesprochenen Urtheils:
denn dieses letztere Urtheil ist eben (materiell) nur ein rela-
tives und eventuelles; es kommt dieser sein Charakter zum
Ausdruck in der dem A, als Bedingung der Restitution der
Sache an ihn, auferlegten Caution^).

5) An und für sich wäre auch folgendes procedere denkbar. Wenn
A gegen P zuerst eine günstige pronunciatio erwirkt, und P ihm, ge-
mäß dem arditratus indicis, restituirt, so hat P, was seinen Proeeß
mit dem B anlangt, diesem gegenüber die facultas restituendi unver-
schuldeter Weise verloren (wobei wir von dem allerdings auch möglichen

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