Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Dr. Franz Kahn,

angehörigkeit in den verschiedenen Ländern zur Zeit noch so
weit auseinandergehend, daß auch von den kühnsten Pionieren
des Weltrechts Einheitlichkeit hier nur vom Standpunkt der
reinen Theorie und als zu erstrebendes Zukunstsideal festge-
halten wird.
Vergl. Bluntschli, Revue de droit international,
Bd. II, S. 108 ff.; Raurent III, S. 257 ff.; Bar I,
S. 164—263.
Hiermit erhebt sich die Frage, nach welchem der verschiedenen
Territorialgesetze zu entscheiden ist, wo eine Person staats-
angehörig sei. Die Beantwortung kann kaum zweifelhaft sein.
Es ist unmittelbarste Konsequenz der Anerkennung der Suve-
ränität fremder Staaten (ja es ist nur ein anderer Ausdruck
des nämlichen Gedankens), daß die rechtliche Regelung des
Unterthanenverhältnisses jedem Staate selbst überlassen bleiben
muß. Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit bestimmt
sich sonach jeweils nach dem Rechte des Staates, dessen An-
gehörigkeit in Frage steht. Diese Regel des internationalen
nicht Privat-, sondern Staatsrechts wird auch grundsätzlich
allgemein anerkannt.
Vgl. Bar I, S. 168; Rad bä, im Journal de dr. IY,
S. 5 ff.; Esperson ebenda VII, <5.341; Civilgericht
Bordeaux vom 29. November 1882, X, S. 297; Kassa-
tionshof Paris 1874, III, S. 29; Appellhof Toulouse
vom 26. Januar 1876, IV, S. 235; Civilgericht Lyon
vom 7. Januar 1875, III, S. 183; Appellhof Lucca
vom 8. Juni 1880, VIII, S. 552; Erstinstanzgericht
Cairo vom 10. April 1876, III, S. 192.
Allein die unmittelbare Konsequenz — in den Fällen, wo
die Staatsangehörigkeitsgesetze verschieden sind, oder wo mit
Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit der Verlust der alten,
mit Verlust einer Staatsangehörigkeit der Erwerb einer neuen

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