Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Die Versicherung für fremde Rechnung.

475

des Interesses (Versicherungswerth) sich bestimmen läßt, diesen
vollen Werth unter Versicherung bringen soll oder nicht: im
Zweifel ist diese Frage zu bejahen77). Hat der Versicherungs-
nehmer diesen Grundsätzen zuwider gehandelt, so muß er be-
weisen, daß ein günstigerer resp. auftraggemäßer Abschluß nicht
möglich war, und daß bei Unterlassung der Versicherung dem
Versicherten ein Schaden, bezw. ein größerer Schaden er-
wachsen wäre78).
Wenn er auf Grund eines ihm ertheilten Auftrages han-
delt, so darf er dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß
der Auftraggeber des Versicherungsgeschäftes kundig ist78).
Lautet der Auftrag z. B. dahin, daß „gegen jeden Schaden"
Versicherung zu nehmen sei, so ist dies so zu verstehen, daß
in der umfassendsten, aber doch nur in der überhaupt noch
üblichen Weise versichert werden solle. Es dürfen also nicht
Gefahren ausgenommen sein, die nicht regelmäßig ausge-
nommen zu werden pflegen, aber es brauchen nicht Gefahren
eingeschlossen zu werden, gegen welche nur ausnahms-

77) Nämlich da, wo es die Regel bildet, wird es auch dem muthmaß-
lichen Willen des Versicherten entsprechen. Sonst im Zweifel nicht. Da-
her ist bei der Versicherung der Ladung gegen Seegefahr im Zweifel nicht
der imaginäre Werth mit zu versichern (ROHG. 17. Oct. 1876; xxi
S. 173), wohl aber die Unkosten der Beförderung bis an Bord und die
Assekuranzkosten (vgl. Lübeck, 18. Juli 1855, in Hamburger Rechtssachen
II Nr. 122; Hamb. Handelsgericht 24. Sept. 1855 ; Ullrich, Nr. 213).
Ein Spediteur oder Transportunternehmer nach Art. 384 des HGB.,
welcher mit der Versicherungsnahme des Transportguts beauftragt ist, wird
mangels einer höheren Werthdeklaration befugt sein, nach dem allgemein-
üblichen Satze von 120 Mark für je 100 kg die Versicherungssumme fest-
zusetzen.
78) HGB. Art. 363 ist analog anzuwendeu.
79) Vgl. Voigt in seinem Commentar S. 58; nach Reichsgericht
1. April 1882 (VI S. 115) ist er zu einer vorherigen Anfrage bei dem
Versicherten nicht verpflichtet.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer