Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Die Versicherung für fremde Rechnung.

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sicherten erfordert es, daß jederzeit eine Persönlichkeit präsent
ist, mit der ein rechtswirksames Perhandeln auch dann möglich
ist, wenn der wahre Interessent nicht in der Lage oder nicht
gewillt ist, seine Angelegenheiten selber wahrzunehmen46). Also
auch hier ist es abermals eine Kollision entgegengesetzter Inter-
essen oder Bedürfnisse, denen die eigenthümlichen Sätze des
positiven Rechts ihrer Entstehung verdanken.
1) Die Gefahr eines Mißbrauchs der Versicherung durch
den Versicherungsnehmer ist natürlich am stärksten bei der
Geltendmachung des Ersatzanspruches nach Eintritt
eines Schadens, also bei der E r h e b u n g un d E i n k l a g u n g.
der Versicherungsgelder, die deshalb — wie bereits
oben S. 425 ausgeführt — von dem Nachweis eines vorhan-
denen Interesses abhängig gemacht wird. In Folge dessen ist
aber andererseits in diesem Zeitpunkte der wahre Interessent
stets bekannt oder nachweisbar und die absolute Nothwendigkeit,
den Versicherungsnehmer für ihn handeln zu lassen, aus diesem
Grunde nicht mehr vorhanden, mag sich eine solche Vertretung
auch häufig als sehr wünschenswerth Herausstellen. Daraus
ergeben sich folgende Rechtssätze:
Berechtigt auf die Ersatzleistung ist lediglich der In-
teressent selber (der Versicherte), der also auch stets in
erster Linie befugt ist, den Anspruch geltend zu machen oder
auf ihn zu verzichten; unter keinen Umständen kann daher der
Versicherer gegen diesen Anspruch — mag er vom Versicherten
selber oder in dessen Namen von wem immer geltend gemacht
werden — Forderungen zur Kompensation bringen, die ihm
gegen den Versicherungsnehmer zustehen (HGB. Art. 895),
46) Aber wenn der wahre Interessent mit dem Versicherer in Be-
ziehung tritt, so gehen seine Verfügungen natürlich stets denjenigen des-
Versicherungsnehmers vor (soweit nicht die nachher zu erörternden Bestim-
mungen Art. 893, 894 in Frage kommen), vgl. Voigt, a. a. O. S. 37_

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