Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Die Versicherung für fremde Rechnung.

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Beziehung zu kennen, welche zwischen dem Kommissionär (Ver-
sicherungsnehmer) und dem Interessenten (Versicherten) besteht.
Ob Jener von Diesem einen Auftrag zum Abschluß der
Versicherung erhalten hat oder ob er auf eigene Faust — als
usZotiorum Z68tor — für ihn handelt, das ist für den
Versicherer im Allgemeinen gleichgültig. Hierdurch eben unter-
scheidet sich Kommission und Stellvertretung ganz fundamental!:
hat der angebliche Stellvertreter von dem Geschästsherrn in
Wahrheit keinen Auftrag (Vollmacht) erhalten, so fehlt dem
dritten Kontrahenten meist der gewollte Schuldner, während er
auch in dem Nichtbeauftragten Kommissionär stets den ge-
wollten Schuldner erhält^). Und nur darauf kann es dem
Versicherer ankommen, daß ihm aus dem Versicherungsverträge
derjenige haftet, welchem er Kredit schenken will, dagegen ist
es ihm gleichgültig, ob der — benannte oder unbenannte —
Interessent einen Versicherungsanspruch erwerben will oder nicht.
Es ist unrichtig, wenn hiergegen geltend gemacht wird,
daß eine unbeschränkte Freigebung der auftraglosen Dersiche-
rungsnahme für fremde Rechnung zu einer „Verwilderung
des Versicherungsgeschäfts führen", den Wettversicherungen
Tbür und Thor öffnen würde?«), man müsse daher ver-
langen, daß der Versicherungsnehmer beim Abschlüsse des
Vertrags dem Versicherer von dem Mangel eines Auftrags
Mittheilung mache. Wäre die Prämisse selbst richtig, so wäre
die daraus gezogene Konsequenz dennoch unrichtig. Denn

25) Daher ist jede Versicherung eines fremden Interesses im Zweifel
als Versicherung für fremde Rechnung, nicht als Stellvertretung anzusehen:
HGBuch Art. 787 Abs. 2. Vgl. auch Pariser Lass. 2. Juni 86 (Dal-
loz P. 87. 1. 30).
26) So selbst Voigt (in seinem Commentar S. 45), dessen Aus-
führungen an dieser Stelle nicht mit dem harmoniren, waS er selber an an-
derer Stelle (S. 47) sagt.

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