Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Victor Ehrenberg,

tisch vereint sind und daher zur Zeit ein Auseinanderhalten
der verschiedenen Interessen, eine Scheidung der zahlreichen
Verpflichtungen gegenüber dem Versicherer unthunlich ist: kurz,
es liegen hier diejenigen Umstände vor, welche dem Versiche-
rungsnehmer naturgemäß die rechtliche Stellung eines Kom-
missionärs zuweisen.
Indessen das eigenthümliche Wesen des Ve r s iche rungs-
vertrages läßt die einfache Anwendung der vom Kommissionär
geltenden Rechtssätze nicht zu. Jede Versicherung nämlich darf
nur dem Interessenten selber zu Gute kommen, d. h.
demjenigen, welcher an dem Ausbleiben des befürchteten Er-
eignisses ein wirthschaftliches Interesse hat — dem Ver-
sicherten: an der strengen Durchführung dieses Grundsatzes
ist überall da, wo jenes Ereigniß durch menschliche Willkür
herbeigesührt werden kann, der Versicherer lebhaft interessirt;
denn sie allein schützt ihn gegen die verderblichen Wirkungen
der s. g. Wettversicherungen, die — ohne eigenes In-
teresse des Versicherungsnehmers abgeschlossen — diesem nicht
Schaden ersetzen, sondern Gewinn bringen sollen und ihm
deshalb die Versuchung nahe legen, das schadenbringende Er-
eigniß selber herbeizuführen.
Hierdurch aber unterscheidet sich der Versicherungsvertrag
ganz wesentlich von allen anderen Verträgen, welche durch
Kommissionär abgeschlossen zu werden Pflegen. Ob die Vor-
theile eines Kaufvertrages, eines Wechselvertrages, eines Fracht-
vertrages, dem A oder dem B, dem Kommissionär (Spedi-
teur) oder einem beliebigen Hintermann desselben zu Gute
kommen, ist dem Käufer, Verkäufer, Wechselschuldner, Fracht-
führer völlig gleichgültig, und es liegt nicht der leiseste Grund
vor, dem Kommissionär selber den Anspruch aus dem von
ihm abgeschlossenen Rechtsgeschäfte zu versagen. Ganz anders
beim Versicherungsverträge: da dieser nur dem Interessenten

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