Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Handeln auf eigene Gefahr.

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Folge von Frost14 *) — immer hat in Fällen solcher Art
der Unternehmer für den Unfall aufzukommen l42).
Endlich hastet der Unternehmer unbedingt auch für das
Verhalten s e i n e r L e u t e in Ausübung dienstlicher Funktio-
nen ^ild zwar für deren Verhalten schlechthin, nicht bloß
für bereu Verschulden. Wird eine Weiche falsch gestellt oder ein
nnrichtiges Signal gegeben, weil der Bahnbedienstete plötzlich in
Sinnesverwirrung geräth oder von Farbenblindheit befallen
wird, oder entgleist der Zug, weil der Zugführer Plötzlich
wahnsinnig oder vom Schlag getroffen wird und dem Heizer
darüber die Sinne schwinden, so ist der Betriebsunfall durch
Schuld des nicht gehörig funktionirenden Betriebs herbeige-
führt und daher von dem Unternehmer zu vertreten 144).
Diese strenge Haftpflicht des Unternehmers wird die natür-
liche und wohlthätige Folge haben, daß derselbe bei dem Betriebe
mit der äußersten Vorsicht und größten Sorgfalt zu Werke
gehen wird. Diese gesteigerte Diligenz ist jedoch nur eine
Wirkung, nicht der Grund und die Grenze der ge-
steigerten Verantwortlichkeit. Wäre es selbst zulässig, eine
diligentia exactissima (diligentia diligentissimi) zu for-
141) Miau kann sich in diesem Fall per analogiam auf die in Note
118 angeführte L. 24 § 2 D. damn. inf. (39. 2) berufen.
142) Vgl. Eger Comment. S. 124 fg. Genzmer Comment.
S. 44. Unhaltbar ist die auf einer Halbheit beruhende Unterscheidung
Westerkamp's S. 653 (dem Endemann S. 55 beistimmt), wonach
der Unternehmer „nur für fehlerfreie, ordnungsmäßige Beschaffenheit seiner
Materialien, nicht für Vollkommenheit" derselben zu haften habe: wo liegt
die Grenze zwischen „fehlerfrei" und „vollkommen"? Vgl. dagegen auch
Gerth Der Begriff der vis major (1890) S. 175.
143) Vgl. EgerS. 126 fg. W e st e r k a m p S. 653. E x n e r Begriff
der höheren GewaltS. 63; dagegen jedoch Genzmer S.44Endemann
S. 55. 56. Es kann in der That nur darauf ankommen, ob die von diesen Per-
sonen wenngleich außerhalb des Dienstes vorgenommene Handlung sich
im gegebenen Falle als eine Betriebshandlung herausstellt oder nicht.
144) Vgl. insbes. Exner S. 63 fg. Genzmer S. 45.

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