Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Handeln auf eigene Gefahr.

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entstandenen Schaden hastet, sofern er nicht beweist, daß der
Unfall durch höhere Gewalt oder durch eigenes Verschulden
der Getödteten oder Verletzten verursacht ist" '38).
Diese strenge Haftpflicht.ist im öffentlichen Interesse an-
geordnet : das Publikum (Passagiere, Passanten, Bahnpersonal)
soll vor den mit dem Bahnbetriebe verbundenen Gefahren ge-
schützt werden 18 3). Auch hier kann man sagen: summa cum
utilitate id praetorem (legem) edixisse nemo est qui
neget: publice enim utile est, sine metu et periculo per
itinera commeari — iter (Reise oder Weg) lacientibus
prospicitur (L. 1 § 1. 2 D. de bis qui effud. 9. 3).
Wer ein so gefährliches Unternehmen wie eine Eisenbahn be-
treibt, hat dies auf eigene Gefahr zu thun, nicht auf
Gefahr Dritter: „die Gesellschaft, die solche gefahrvolle Betriebe
gestattet, kann und muß verlangen, daß der Unternehmer auch
die mit dem Betriebe gegebene Gefahr trägt, sie muß ihn

132) Nach diesem Muster ist das schweiz. Ges. v l. Juli 1875
gearbeitet. Art. 2 desselben lautet: „Wenn beim Betriebe einer Eisenbahn
oder Dampfschifffahrtunternehmung ein Mensch getödtet oder körperlich ver-
letzt wird, so haftet die Transportanstalt für den dadurch entstandenen
Schaden, sofern sie nicht beweist, daß der Unfall durch höhere Gewalt oder
durch Versehen und Vergehen der Reisenden oder dritter bei der Trans-
portanstalt nicht angestellter Personen ohne eigenes Mitverschulden der
Anstalt oder durch die Schuld des Getödteten oder Verletzten selbst ver-
ursacht worden ist."
133) Dies erkennt auch Hafner Ueber den Begriff der höheren
Gewalt (1886) S. 61 Note 37 an: es ist aber widerspruchsvoll und un-
richtig, wenn er unmittelbar vorher bemerkt, daß „der Beweisnothstand deS
Beschädigten in Bezug auf die Fahrlässigkeit des Unternehmers resp. der
Angestellten wohl ausschließlich diese Haftpflicht motivirt". — Es ist auch
nicht richtig, wenn man hin und wieder behauptet, daß der Unternehmer
die Unfallskosten tragen müsse, weil sie einen Bestandtheil der Industrie-
kosten bilden: vielmehr schlägt der Unternehmer die Unfallskosten zu den
Unternehmungskosten, wenn und dafern er für sie nach dem Gesetz auf-
kommen muß.

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