Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Handeln auf eigene Gefahr.

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demjenigen, der das Thier hält, die unbedingte Verantwort-
lichkeit für den durch dasselbe verursachten Schaden auferlegt,
wie dies bekanntlich der Cocte civil a. 1385 und ihm folgend
der Codice civile a. 115410°) sowie (wenngleich in be-
schränkter Weise) das säch s. Gesetzbuch (§ 1561) d^ut101).
Die Motive (II S. 811) meinen freilich, daß „man da-
mit den Boden des Delikts verlassen und, wenn auch nicht
ein fingirtes Delikt, doch eine in das Rechtssystem sich schwer
einfügende gesetzliche Obligation schaffen würde". Als ob es
nicht gerade die Aufgabe des Gesetzgebers wäre, in Fällen
des praktischen Bedürfnisses, unbekümmert um das „Rechtssy-
stem", solche Obligationen zu schaffen und eine Verpflichtung
kraft Rechtens aufzuerlegen: die Kategorie der gesetzlichen Obli-
gationen, die doch im heutigen Rechtssystem schon einen so
breiten Raum einnimmt, wäre dann eben um eine Nummer
vermehrt.
Wollte sich aber der deutsche Entwurf (§ 734) 102)

und des Staates) für Beschädigungen durch wüthende Hunde. Bgl-
Steinbach S. 23. Stuben rauch Comment. (5. Aufl.) H S. 670
Note 2.
100) Bgl. Demolombe Cours de Code Napoldon XXXI p. 554 sq.
Sourdat Traite de la responsabilite II p. 562 sq. W einrich
Haftpflicht S. 104 fg. Die französischen Juristen führen jedoch diese Bor°
schrift (mit Unrecht) auf eine Rechtsvermuthung der Schuld zurück und
streiten nun darüber, ob dieselbe eine einfache oder unwiderlegliche sei; für
eine praesumtio juris et de jure (insofern mit Recht) sind Demolombe
p. 564.565 (allerdings mit einer wunderlichen Argumentation), Z achar i ä
Handb. II § 448 Note 5 und Weinrich S. 105 Note 4.
101) Die Beschränkung der Haftung auf noxae datio (vgl. auch ba-
disches Landr. Art. 1385 a und Zürich. Gesetzb. § 1878) ist sicher nicht
zu empfehlen: was soll der Beschädigte mit dem ihm ausgelieferteu
Thiere anfangen? Bgl. b a y e r. Entw. Art. 948 Abs. 3.
102) G eg enden Entwurf Gierte Der Entwurf S. 270. Die soziale
Aufgabe des Privatrechts S. 33. Schmidt Gutachten S. 1217 fg.
XXX. N. F. XVIII. 27

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