Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Ung er,

und getrosten sich mit der magischen Kraft der freien Beweis-
würdigung: „sie mag dazu führen, eine Verschuldung schon
deshalb anzunehmen, wenn entschuldigeude Thatsachen nicht
vorliegen" (Motive II S. 735). Aber die freie Beweis-
würdigung vermag die Regeln der Beweislast nicht zu ändern:
der Richter kann nur, ungebunden durch starre Regeln, frei
beurtheilen, ob dem Beweispflichtigen die Beweisführung ge-
lungen sei. Der Beschädigte kann sich also nicht darauf be-
schränken, dem Dienst- oder Geschäftsherrn Nachlässigkeit in
der Auswahl oder Aufsicht schlechthin vorzuwerfen, sondern er
muß diese Beschuldigung durch concrete Thatsachen substan-
türen: liegen solche Thatsachen nicht vor, so kann der Richter
trotz des Nichtvorbringens entschuldigender Thatsachen den
Geschäftsherrn nicht verurtheilen.
VII.
Soll derjenige, welcher ein Thier hält, unbedingt für
den durch dasselbe angerichteten Schaden einstehen, oder nur
im Falle einer schuldhaften Verletzung seiner Aufsichtspflicht? 9 5)
Darüber kann wohl kein Zweifel sein, daß, wer wilde
oder sonst ihrer Natur nach schädliche Thiere (wenngleich etwa
mit polizeilicher Erlaubniß) hält, für den durch dieselben ver-

Gutachten S. 303. 304. Enneccerus Verhandl. II S- 91. 92. In
der 1. Abtheilung des 18. Juristentages wurde der Eventualantrag auf
beschränkte Haftpflicht der Geschäftsherren einstimmig als „das Minimum"
angenommen (II S. 106. 367).
95) Vgl. zu dieser Frage Steinbach S. 22 fg. — Ueber das
römische Recht Windscheid Pand. II § 457 Nr. 3; Dernburg
Pandekt. II § 133 und insbes. Eisele in diesen Jahrb. XXIV S. 480fg.
(gegen dessen Auffassung der L. 8 § l L. 52 § 3 D. ad leg. Aquil. 9. 2
jedoch Unger in Grünhut's Zeitschr. XV S. 683 Note 31. Dern-
burg Note 1). Ueber das germanische Recht. Stobbe III § 202.
Brunner Ueber absichtslose Missethat im altdeutschen Strafrechte, in
den Sitzungsberichten der Berliner Akademie XXXV S. 8i5fg. 834 fg.

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