Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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U n g e r,

eine sachliche Motivirung wäre doch um so nothwendiger ge-
wesen, als der von den Motiven (II S. 30) zur Rechtfertigung
der unbedingten Haftung des Geschäftsherrn für seine Ge-
hilfen in obligatorischen Verhältnissen geltend gemachte Grund
auch in Ansehung der außerobligatorischen Verhältnisse voll-
kommen zutrifst. Muß man denn nicht auch von dem Dienst-
und Geschäftsherrn, .der seine Dienst- und Geschäftsleute zu
seinen Zwecken verwendet, sagen, daß er „im-eigenen In-
teresse und folgeweise auch auf seine eigene Gefahr handelt"?
Auch die Bedürfnisse des Verkehrs, auf welche die Motive II
S. 30 Rücksicht nehmen, haben sie (II S. 736) mittlerweile
gänzlich aus den Augen verloren. Die Motive werden sich
ferner der grellen und fast unerträglichen Discrepanz nicht
bewußt, zu welcher die Verschiedenheit der Haftbarkeit der
Dienst- und Geschäftsherren in obligatorischen (§ 224 Abs. 2)
und in außerobligatorischen Verhältnissen (§§ 711. 712) führt.
„Ein Fuhrwerksunternehmer soll einen Reisenden fahren. Er
fährt ihn nicht selbst, sondern schickt einen Kutscher. Dieser
wirst den Wagen durch Nachlässigkeit um; der Reisende wird
beschädigt, er bricht ein Bein. Da soll der Unternehmer
hasten aus dem Vertrage, den er abgeschlossen hat. Wenn
aber der Reisende ausgestiegen war und der Kutscher hat ihn
eine Minute später umgefahren, dann hastet er nicht und
ebensowenig, wenn er einen Dritten beschädigt. Ebenso ist

lichen Grund an. Wenn er bemerkt, daß der Entwurf die Haftung eineK
Schuldners für seine Gehilfen ausdrücklich ausspricht (§ 224 Abs. 2) und
dann fortfährt: „ebenso erkennt er an, daß Jeder, der bei einem Geschäfte
sich anderer Personen bedient, für die unerlaubten Handlungen derselben
haftet, wenn ihn bei der Auswahl oder Aufsicht ein Verschulden trifft",
so sollte es statt „ebenso" vielmehr „d a g e g e n" heißen: im Fall des § 224
Abs. 2 findet nämlich Haftung ohne Schuld, im Fall der §§ 711. 712
Haftung aus Schuld statt. — Den Standpunkt des Entwurfs billigt auch
Meißner in der Note 51 angef. Schrift S. 132—136.

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