Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Handeln auf eigene Gefahr.

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vorbeugend, indem sie die Dienst- und Geschästsherren zur
möglichsten Sorgfalt in der Auswahl und Beaufsichtigung
ihrer Leute nöthigt (L. 3 pr. D. de publ. 39. 4)88).
Welchen Standpunkt nimmt nun der deutsche Entwurf
in dieser praktisch so überaus wichtigen Frage ein ?
Er hält an dem gemeinen Recht fest88) und die sonst
so ausführlichen Motive (II S. 736) begnügen sich mit der
dürren Bemerkung, daß der Entwurf das Prinzip der unbe-
schränkten Haftung der Dienst- und Geschäftsherren „zurück-
weist". Dies ist eine Begründung ohne Gründe88). Aber
<3. Aufl.) S. 17. Weinrich Die Haftpflicht wegen Körperverletzung
und Tödtung eines Menschen (1883) S. 150 fg. und Ma ndry Der
civilrechtl. Inhalt der Reichsgesetze (3. Aufl.) S. 47. 448 freilich wollen
dagegen sogar im Fall des § l in Widerspruch mit der herrschenden Lehre
eine Quasideliktsobligatton annehmen. Die Kategorie des Quasidelikts ist aber
überhaupt unbrauchbar und verwerflich: ein fingirtes Delikt ist eben kein Delikt
(6a). in 194). Vgl. Unger in diesen Jahrb. XXX S. 228 Note 7.
88) Bekanntlich hat auch P othier zur Begründung der unbedingten
Haftung der Dienstherren für ihre Leute gesagt: Ceci a ete etabii pour
reudre les maitres attentifs ä ne se servir que de bons domestiques. Weinrich
Haftpflicht S. 217 dagegen meint, daß gerade die Zulassung eines Ent-
lastungsbeweises für den Unternehmer eine Prämie bilde, die möglichste Sorg-
falt in eligendo et inspiciendo anzuwenden. Allein wenn es zum Streit
über die Anwendung der gehörigen Sorgfalt zu kommen hat, mag der
Geschäftsherr immerhin hoffen, einen Richter zu finden, der es damit nicht
allzu genau und streng nimntt.
89) Gegen den Entwurf Gierke S. 259fg. Klöppel in Gru-
chot's Beiträgen zur Erläuterung des deutschen Rechts XXXIII S. 652.
Schmidt Gutachten aus dem Anwaltstande S. 1202 fg. Auch 8a-
leilles p. 376. 382 sq. billigt nicht eigentlich die §§ 711. 712 (wie
Cosak in der Zeitschr. f. Handelsr. XXXVII S. 575 es darstellt), sondern
meint nur, daß wenn man in Deutschland das öffentliche Interesse nicht
hinlänglich groß und berücksichtigenswerth findet, um eine unbeschränkte
Haftung der Dienst- und Geschäftsherren für Delikte ihrer Untergebenen zn
fiatuiren, dann allerdings kein genügender Grund dafür geltend gemacht
werden kann und es daher bei der regelmäßigen Haftung für eigenes Ver-
schulden zu verbleiben hat.
90) Auch Planck im civil. Arch. l-xxv S. 392 giebr keinen sach-

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