Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Handeln auf eigene Gefahr.

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gründen" 48). Es erscheint vielmehr rathsam, in das Gesetz-
buch eine Bestimmung aufzunehmen, wodurch dem im Noth-
ftand Handelnden die Verpflichtung zum Ersatz des zugefügten
Schadens auferlegt wird, und die Lösung der Frage, ob eine
solche Handlung unerlaubt, erlaubt oder unverboten sei, der
Wissenschaft zu überlassen.
IV.
Die Sicherheit des Verkehrs fordert, daß der gut-
gläubige Empfänger einer Willenserklärung sich darauf muß
verlassen können, daß dieselbe dem Willen des Erklärenden
entspricht. Während man nun über die Behandlung gewisser
Fälle (Mentalreservation, Scherz, Handeln des Vertreters in
eigenem Namen) ziemlich einig ist, herrscht lebhafte Meinungs-
verschiedenheit über die Behandlung einer auf Irrthum be-
ruhenden Willenserklärung. Eine in neuerer Zeit vielfach und
geistvoll vertretene Ansicht geht dahin, daß der Erklärende auch
in diesem Falle an seine Erklärung gebunden bleibt, obgleich
sie seinem Willen nicht entspricht: er haftet hiernach aus der
irrthümlich abgegebenen Erklärung und auf den Inhalt der-
selben (sog. Erklärungstheorie49). Nach einer andern Ansicht
48) Insoweit stimme ich mit L i s z t in Bekker und Fischer's Beiträgen
Heft 8 S. 8 fg. überein. In dem dresd. Entw. i. Lesung Art. 221
findet sich eine richtige Bestimmung.
49) Dies ist der Standpunkt des badischen Landr. Art. moa
und des österr. bürg. Gesetzb. § 876. Die Vorschrift des österr. Ge-
setzb. (§ 876), welche von Köhler in diesen Jahrb. XXVIH S. 226
mißverstanden wird (vgl. unten Note 113), sucht Ofner in Grünhut's
Zeitschr. XVII S. 331 fg. auf induktivem Wege zu rechtfertigen: er
nimmt eben gar keine Rücksicht auf den Irrenden, den er mit dem Hin-
weis auf den Spruch summum jus summa injuria vertröstet (S. 340), und
läßt sich übrigens ein Argument für seine Ansicht (§ 1026) entgehen. Auch
hat diese Frage mit „Romanismus" nichts zu thun: es giebt Romanisten,
welche der Erklärungstheorie huldigen, und Germanisten, welche dieselbe
ablehnen (Note 52).

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