Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

378

Unger,

Nach römischem Recht hat bekanntlich der Verletzte den
Schaden zu tragen: der im Nothstand Handelnde ist nicht er-
satzpflichtig 38). Es erklärt sich dies aus der römischrechtlichen
Auffassung und Behandlung des Schadenersatzes unter dem Ge-
sichtspunkt der Strafe39): der im Nothstand Angreifende handelt
rechtswidrig, er ist aber nicht strafwürdig, da ihn kein
Vorwurf trifft und er frei von Schuld ist (utiyue dolo caret
L. 3 § 7 cit.40). Da nun im Laufe der geschichtlichen Ent-
lieh die Einheitlichkeit der Grundlagen beider Haftungen und behauptet,
daß das Privatrecht „keinen eigenen und selbständigen Deliktsbegriff" habe;
vgl. aber dagegen Bin ding Handb. des Straft. I S. 765 Note 30 und
schon Hälschner System des preuß. Straft. I S. 271 fg; ferner Per-
nice Labeo II S. 19 Note 13.
38) L. 29 § 3 L. 49 § 1 D. ad leg. Aquil. (9. 2) L. 3 §. 7 D.
de incend. (47. 9). L. 7 § 4 quod vi (43. 24) L. 14 pr. D. de praescr.
verb. (19. 5).
39) Gerade in Beziehung auf die Lex Aquilia sagt Gaj. inst. III
§. 211: Injuria autem occidere intelligitur, cujus dolo aut culpa id
acciderit .... itaque impunitus est qui sine culpa et dolo malo
casu quodam damnum committit. L. 30 § 3 D. ad leg. Aquil. (9. 2): In
hac actione .... dolus et culpa punitur. — Vgl. IheriNg
Schuldmoment S. 39 fg. (verm. Schrift. S. 198 fg.). lieber die wesent-
liche Verschiedenheit von Strafe und Schadenersatz vgl. die trefflichen Aus-
führungen von Bind ing Normen l (2. Aufl.) S. 284 fg.
40) Auch bei einem erzwungenen Eingriff in den fremden Rechtskreis
ist die abgenöthigte Handlung rechtswidrig, der Handelnde jedoch ersatzfrei,
weil er dolo caret L. 16 § 1 D. de lib. causa (40. 12); cf. L. 7 § 1
D. quod fals. tut. (27. 6). Diese Auffassung findet sich auch bei Jhe-
ring Schuldmoment S. 44 (verm. Schrift. S. 203) Pernice, Labeo ii
S. 20 (vgl. jedoch Pernice Sachbeschädigung S. 38 fg.), Ianka
Der strafrechtliche Nothstand (1878) S. 48, Tuhr S. 122 fg. Dagegen
wird die Ansicht, daß die im Nothstand unternommene schädigende Hand-
lung rechtmäßig und die Ersatzfreiheit eine Folge der in L. 151 D. de
R. J. (50. 17) ausgesprochenen Regel sei, in Widerspruch mit L. 3 § 7
cit. (47. 9) und wohl auch mit Ga j. III § 211 (Note 39), von Wind-
scheid Pandekt. II § 455 Note ll, Dernburg Pandekt. II § 131 zu
Note 9, Bekker Pandekt- I S. 69 und Stammler Der Nothstand
(1878) S- 14 vertreten.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer