Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Ernst Immanuel Bekker,

zustande aus Zweckmäßigkeitsrücksichten mit besonderen Rechts-
folgen bekleidet sind, welche sie bald für sich allein, bald im
Verein mit anderen Thatbestandsstücken Hervorrufen, und daß
wir diese von dem objektiven Recht so ausgezeichneten Aus-
übungserscheinungen Besitzakte und Besitzzustände heißen. Das
schließt nicht aus, für eine kleinere Gruppe von Besitzfällen
einen neuen Begriff aus bereits vorhandenen Materialien fer-
tigzuftellen: das 1u8 possessionis an Mobilien zeugt allein der
„Gewahrsam", der in seinen Endpunkten Hausrecht und Brief-
geheimniß bereits festgelegt ist, und dessen Grenzen übrigens
aus alten und neuen Gewohnheiten zu entnehmen sind.
Das Vierklagensystem aber soll ersetzt werden durch ein
Zweiklagensystem. Bei sehr vielen Rechten fordert das prak-
tische Bedürfniß zweierlei Rechtsschutz, neben dem Mittel das
die definitive Entscheidung herbeiführt, ein anderes zur vor-
läufigen Ordnung der thatsächlichen Verhältnisse. Das zweite
kann von wirklichem Nutzen nur sein, wenn das Verfahren
ein beschleunigtes ist, und dies wiederum schließt die Berück-
sichtigung von schwerfälligen Beweismitteln und Einreden aus;
geschaffen werden soll dadurch ein Besitzstand, in diesem Sinne
sind alle derartigen Rechtsmittel Besitzklagen. Aber sie brauchen
sich keineswegs alle auf bereits vorhandenen Besitz, ins pos-
sessionis, zu stützen; so gut wie retinendae können sie auch
adipiscendae possessionis sein, vorausgesetzt nur daß das
ins possidendi leicht beweisbar. Bei gebuchten Rechten
empfiehlt sich daher, auch die schleunige vorläufige Ordnung
bezweckende Klage an das Buch zu knüpfen, es giebt kein
glatter durchschneidendes Beweismittel.
Das wären in der Hauptsache unsere negativen und posi-
tiven Ergebnisse: mögen sie sich annehmlich und brauchbar
erweisen.

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