Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Zur Reform des Besitzrechts.

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auf die wir keine feste Antwort zu geben wissen. — Und nun
sage man nicht: was geht die Lehre das Recht, den Gesetz-
geber, und den Praktiker an? Die Lehre vom eorpu8 und
animus bei der possessio hat sich niemals, in Rom so wenig
wie bei uns an dem Idealgebiet des Denkens genügen lassen,
sie ist aufgetreten als praktische Lehre mit der Prätension, das
Recht in seinen Einzelheiten nach sich zu modeln, und daö
fordert sie auch heute noch. Und eben darum ist sie nach
erwiesener Unbrauchbarkeit abzuthun gänzlich: im Leben zu
verwerthen ist sie nicht, und ohne Einfluß aufs Leben in
Gedankenheim Hausen, das will sie nicht.
Etwas anders liegt es mit der den vier Klagarten Vin-
dikation und Negatoria, Publicianische Rechtsmittel, Besitzklagen,
Spolienklage entsprechenden Vierspältigkeit der Rechte: Voll-
recht, Ersitzungsrecht, R. des juristischen Besitzes, der Deten-
tion. Die Lehre hat verhältnißmäßig wenig darum sich ge-
kümmert, aber die Praxis hat darauf gehalten; die Konse-
quenzen sind angenommen, die Grundgedanken selber erwogen
und besprochen. Vielleicht, daß man sonst schon früher auf
eine Vereinfachung des Rechts bedacht gewesen sein würde.
Jetzt scheint sie unerläßlich. Die Neuerungen des E. B.G.
entziehen den Publicianischen Klagen ihren Boden, und die Ver-
schmelzung von Spolien- und Besitzklagen ist im Entwurf selber
schon vorgesehen. Man wird statt mit vieren mit je zwei
Rechten und je zwei Klagarten neben einander ausreichen.
Der Versuch, die unhaltbar gewordene Animus- und
Korpustheorie durch eine andere ähnlich weit greifende zu er-
setzen, wird sich kaum empfehlen; scheint es doch, daß jene
alte Theorie vornehmlich durch das Bestreben, wesentlich ver-
schiedene Dinge in Einen Begriff zusammenzufassen, zu Falle
gekommen. Bis auf weiteres also lasse man sich daran ge-
nügen, daß gewisse Ausübungsakte und gewisse Ausübungs-

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