Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Zur Reform des BesttzrechtS.

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dringling gleich wieder vertreibe. Zweifellos, daß auch der
animo retinirte Besitz außer zur Eigenmacht und den Besitz-
klagen zur Ersitzung berechtigt und zur Publiciana. Ganz be-
sonders intensive Kraft scheint Paulus kr. 27 eod. dieser
Spezies des Besitzes zuzuschreiben, falls nicht etwa statt „von
potest dum kureret eius saltus possessionem amittere"
zu lesen sein sollte omittere.
D) Bekanntlich kommt bei der Besitzesübergabe von
Grundstücken wenig darauf an, wie weit das zu übergebende
Grundstück begangen wird von den Betheiligten, kr. 3 § 1
e o d.: „.. . sufficit quamlibet partem eius fundi introire",
ja es genügt unter Umständen bloßes Zeigen, kr. 18 § 2
eoä., vgl. noch kr. 77 de R. V. 6, 1; kein Zweifel, daß
hiermit auch die neuere Praxis übereinstimmt. Ein unerläß-
liches Thatbestandsstück dieser Art des Besitzerwerbs aber wird
weder in den eben citirten Quellenstellen ausdrücklich hervor-
gehoben, noch von der Atteratur ausreichend beachtet, vgl.
auch Brinz, Possessionis traditio, Ib. d. gem. d. Rs. III,
S. 16 f. Dieses Thatbestandsstück, über das vernünftigerweise
gar nicht zu streiten wäre, ist der Besitz des Tradenten: wenn
A welcher Nichtbesitzer ist und B zu dem Grundstücke gehen
das C besitzt, gleichviel ob er es bebaut durch Andere bebauen
läßt oder animo retinirt, A dann sich für den Besitzer aus-
giebt und zu tradiren erklärt. Beide darauf sich so verhalten
wie das kr. 3 § 1, 18 § 2 cit. vorgesehen ist, so wird da-
durch der Besitz des 0 nicht im mindesten alterirt, 6 bleibt
Besitzer, und B wird nicht Besitzer. Hieran ist nach den un-
bestreitbaren Grundregeln über den Verlust des Besitzes, nament-
lich des animo retinirten, nicht zu rütteln. Etwas unsicherer
liegt der Nebenfall (von Brinz a. a. O., S. 33 s. eingehend
erörtert), wenn der Tradent nicht Nichtbesitzer schlechthin, aber
auch nicht Interdiktenbesitzer, sondern Sklave oder Kolone des

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