Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Zur Reform deS BesitzrechtS.

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Und dabei sind die zu «) und ß) gezeichneten Fälle in
ihrem juristischen Wesen und ihrer praktischen Bedeutung zwei-
fellos verschieden. Gesetzt, ich hätte den Besitz zu «) schon
sieben Jahre geübt, unweigerlich, daß eine weitere Fortsetzung
dieses Besitzes, ohne Vitium und Malafides, durch drei Jahre
mir das Servitutenvollrecht (Kol. I (1 oder e) verschaffen wird.
Wenn aber (Fall ß) mein Auktor bei der Servitutenbesteüung
schon einen siebenjährigen Eigenthumsersitzungsbesitz für sich
gehabt, so mag Niemand behaupten, daß die Zufügung eines
dreijährigen Servitutenersitzungsbesitzes in meiner Person mir
auch in diesem Falle Servitutenvollrecht gebe. Wohl aber
würde ich dies Vollrecht erhalten, sobald der konstitutive Be-
steller desselben, mein Auktor, seine Eigenthumsersitzung vollen-
dete (ich lasse dahingestellt, ob diese Rechtsverstärkung, heutzu-
tage anders als in Rom, sich von selbst vollzieht, oder ob die
Römischen Umwege auch jetzt noch festzuhalten wären), und
zwar gleichviel, ob inzwischen ich meinen Servitutenbesitz nee
vi nec clam etc. geübt habe oder nicht. — Auch darin tritt
ein Unterschied hervor, daß, während Pfandrechte und Reten-
tionsrechte gewiß nicht ersessen werden können, daher in Kol. II
k) und 8) fortfallen mußten, nichts die Eigenthumsersitzenden
hindert, Pfandrechte und Retentionsrechte konstitutiv zu schaffen,
eine Kolumne der von Ersitzenden herzuleitenden Rechte also
auch die Reihen f) und g) enthalten müßte.
Nur um die Uebersicht nicht zu erschweren, habe ich nichts
von diesen Dingen auf die Tafel gebracht; das Bild ist auch
so schon bunt genug. Dies vielspältige romanistisch-moderne
System ist wiederholt angegriffen worden, in besonders beach-
tenswerter Weise von Delbrück, Die dingliche Klage (1857)
und von Ziebarth, Die Realexekution und die Obligation
(1866). Letzterer sagt richtig (S. 258), daß die D.'schen Aus-
führungen „bei den Theoretikern entschiedenen und fast
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