Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Zur Reform deS Besitzrechts.

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Meinung war verwerflich; aber Iustinian hat sie nicht ver-
worfen, im Gegentheil sie in sein Corpus Iuris ausgenommen,
und das Corpus Iuris mit all seinen Schwächen und Stärken
ist die Grundlage unseres geltenden Rechts. Wie können wir
nun loskommen von diesem verwerflichen Paulinisch-Iustini-
anischen Besitzrecht? Nicht auf dem Wege der wissenschaftlichen
Operation, nur auf dem der Rechtsproduktion. Ich betone
diesen Gegensatz, weil unsere Entwurfskommission, ausweislich
zahlreicher Bemerkungen in den Motiven, denselben wenn nicht
übersehen, doch nicht scharf erfaßt hat, und der Wissenschaft
häufig Arbeiten hat zuweisen wollen, die nur die Rechtspro-
duktion zu leisten vermag. Ihre letzten Grenzen würde die
wissenschaftliche Arbeit erreichen, wenn sie
erstlich die Paulinische Lehre s. z. s. isolirt darstellte, und
zugleich dabei etwa noch nachwiese, welche Stellen diese Lehre
von Anfang an enthalten, und welche ihr entsprechend umge-
modelt sind;
zweitens die Lehre der Quellen nach Ausscheidung der Pau-
linischen und der Paulinisirten Stücke zur Darstellung brächte.
Wie fern diese Ziele uns noch liegen, ist schon ange-
führt. Ihering's Polemik wider Paulus dürfte also de lege
ferenda noch mehr Beachtung verdienen als de lege lata,
und darum gerade im jetzigen Augenblick, wo die Gesetzgebung
unser Privatrecht umschaffen soll, zur rechten Stunde gekom-
men sein.
Noch radikaler als Jhering tritt Pflüger der herr-
schenden Lehre entgegen. Alle, auch die am energischsten ein-
getreten sind für die Wahrheit und Zuverlässigkeit der im § 4
I. de int erd. 4, 15, fr. 1 § 2, § 3 uti poss. 43, 17
(Ulp.), Gai. 4, 148, gegebenen Berichte, haben bisher über-
einstimmend angenommen, daß die Römischen Besitzinterdikte,
insonderheit die retinendae und die reenperandae poss.,

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