Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Ernst Immanuel Bekker,

renda vel amittenda possessione dies Verhältniß sich um-
kehrt, wogegen dann wieder uti possidetis beinahe ausschließ-
lich von Ulpian herrührt. Habe ich recht gezählt, so giebt
Mommsen's Stereotypausgabe im erstgenannten Titel Paulus
310 Zeilen, Ulpian 167, Papinian 84, allen Anderen zusam-
men 215. Es scheint also, daß Iustinian, oder sagen wir die
Kompilatoren, beabsichtigt haben in dieser Materie vorzugs-
weise die Ansichten des Paulus zur Geltung zu bringen. Und
rezipirt in Deutschland ist das Justinianische Recht. Dürfen
wir das korrigiren, d. h. für nicht rezipirt erklären was unserer
Meinung nach Iustinians Gehülfen schlecht kompilirt haben?
Vollkommen einverstanden mit I., daß rationell die Rezeption
nur auf die Rechtssätze und Entscheidungen der Römischen
Quellen zu beschränken, und nicht auf rein theoretische Be-
gründungen (bei I. „konstruktive Gesichtspunkte") zu erstrecken
gewesen wäre, obschon diejenigen, welche die Rezeption durch-
geführt, von dem Gegensätze wohl recht wenig gewußt haben.
Aber wenn beispielsweise in kr. 37 de pign. a. 13, 7 steht:
quia antequam conduceret debitor non fuerit eius
possessio, cum [n. Momms. zu streichen) et animus
mibi retinendi sit, et conducenti non sit animus
possessionem apiscendi
werden hier blos konstruktive Gesichtspunkte angeführt? Ist
nicht vielmehr zu sagen, daß Paulus die Fortdauer des Besitzes
auf Seiten des Lokators behauptet und Entstehung auf Seiten
deS Konduktors leugnet, weil der Thatbestand der die Fort-
dauer erfordert, vorliege, und am Thatbestande des Erwerbes
etwas fehle. „Mit dem Thatbestande tritt die Rechtsfolge
ein", „ohne das Thatbestandsftück kann jene Rechtsfolge nicht
eintreten", das sind doch wohl Rechtssätze. — Also resumiren
wir: Paulus hat eine individuell ausgeprägte, von der aller
anderen Iurekonsulten abweichende Meinung gehabt, und diese

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