Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Ernst Immanuel Bekker,

Recht begründen müsse überall, wo Menschen in gesellschaft-
licher Verbindung stünden; an den Details des Thatbestandes
und der Rechtsfolgen lasse stch ändern, aber der Grundgedanke
sei von ewiger Dauer, die beste Verwirklichung desselben im
Römischen Rechte zu finden. Diese Anschauungen werden auch
heute noch von Manchen getheilt; zu behaupten, daß Alle
welche auf dem Römischen Besitzrecht, oder gar auf der Sa-
vigny'scheu Besitzlehre, wenngleich mit Konzessionen, bestehen
möchten, auch von dem naturrechtlichen Hintergründe sich eher
angezogen als abgestoßen fühlen. Aber in der neuesten Juris-
prudenz gewinnt augenscheinlich die entgegengesetzte Richtung
die Oberhand. Gerade die allerneuesten Werke (von IHering
— Pflüger — Klein) sind völlig unabhängig von einan-
der ausgeführt, kommen aber darin unter sich wie mit meinen
Arbeiten überein, daß sie das Römische Besitzrecht durchaus
nicht als allgemein mustergültig passiren lassen, sondern die
Singularitäten desselben nachdrücklich hervorheben und historisch
erklären. Klein bemerkt richtig, daß derartige Arbeit auch
für die Kodifikation des bürgerlichen Rechts nicht bedeutungs-
los sei, um zu verhindern, daß bei demselben man sich „durch
die herrschende gemeinrechtliche Auffassung historischer
Velleitäten, als der Natur der Institute entnomme-
ner Bestimmungen" gebunden erachte.
Bevor wir uns nun den Ausführungen der drei Letztge-
nannten, und der aus anderem Grunde für mich besonders
beachtenswerthen Abhandlung Goldschmidt's zuwenden,
zwei weitergreifende Bemerkungen. In einer Beziehung sind
die Anhänger der Savigny'schen Doktrin, ich rechne dahin
Randa, Scheurl, Kuntze, allen Anderen weit über-
legen, und eben hieraus wird sich der große Einfluß erklären,
den ihre Lehre noch immer auf die Praxis übt. Sie geben
anschauliche und faßbare Resultate, die dem oberflächlichen

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