Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Noch einmal der Besitzwille.

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Die „selbständigen Inhaber" treten nunmehr an Stelle
der zweiten Ihering'schen Gruppe, d. h. der Personen im
procuratorischen Detentionsverhältniß. Ihr Umfang ist natür-
lich enger als bei IHering, da bei letzterem auch die Per-
sonen im Dienstverhältniß einbezogen sind. Strohal theilt
die selbständigen Inhaber in zwei Abtheilungen °. solche mit
nicht willkürlich entziehbarem Verwaltungsrecht (Sequester,
Nachlaßpfleger, Testamentsvollstrecker) und andere Personen.
Die Eintheilung ist in der Hauptsache *) ohne Folgen, denn
Strohal verlangt für beide Abtheilungen den possessorischen
Schutz (S. 361—365), er tritt dabei (so wie ich es gethan
habe) der Ihering'schen Beschränkung auf den Fall des
Hausfriedensbruchs entgegen; seiner Darstellung liegt offen-
sichtlich dasselbe Argument zu Grunde, welches ich in der
meinigen hervorgehoben habe: die Person deckt eine Sache
nicht minder als das Haus 2).
Ueber die dritte Ihering'sche Gruppe (Personen im
momentanen Detentionsverhältniß) hat sich Strohal nicht
deutlich ausgesprochen; aus einer Bemerkung (S. 357 Note 17)
entnehme ich, daß er IHering zustimmt; aus einer anderen
(S. 376 N. 44), daß er das von letzterem hierbei aufge-
stellte Erforderniß der Unentgeltlichkeit verwirft.
Mag nun unser zukünftiger Rechtszustand so oder so nor-
mirt werden: jedenfalls ist es interessant, einzelne Fragen, die
aus der veränderten Stellung des (selbständigen) Inhabers
entstehen, weiter zu verfolgen. Der wichtigste Fall ist der des
Vermiethers und des Miethers. Strohal braucht dafür

1) Anders bezüglich Nebenpunkte, denn mit Recht führt Strohal
S. 370 aus, daß der Sequester u. s. w. nur insofern in possessorio klagen
kann, als er noch Sequester ist, nicht also, wenn er abgesetzt ist; ebenso-
wenig können seine Erben klagen.
2) Diese Jahrbücher Bd. 29 S. 239.

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