Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Prof. Strohal,

Das Recht des Nacherben erstreckt sich auf die durch
Anwachsung erfolgte Erweiterung des Erbtheiles des
Vorerben; es erstreckt sich nicht auf dasjenige, was
dem Vorerben aus einer Einsetzung als Ersatzerbe oder
aus einem Vorausvermächtnisse gebührt.
Die Gegenüberstellung der beiden nachstehenden Beispiele
dürfte jedoch bereits zur Erbringung des Beweises genügen,
daß diese Normirung verfehlt ist-").
1. Beispiel: Ein Erblasser verfügt: „Ich setze A und
B zu gleichen Theilen als Erben ein; nach dem Tode des A
soll C als Nacherbe eintreten." Gelangt hier B, weil er aus-
schlägt, nicht zum definitiven Erwerbe, so wird A zufolge der
zu seinen Gunsten eintretenden Anwachsung (vgl. § 1797 Entw.)
Alleinerbe, und fällt (nach § 1814) beim Tode des A die
ganze in seiner Hand vereinigt gewesene Erbschaft des ursprüng-
lichen Erblassers dem Nacherben C zu.
2. Beispiel: Die Verfügung des Erblassers lautet:
„A soll die eine, B die andere Hälfte meiner Erbschaft erhalten;
gelangt einer der beiden nicht zum Erwerbe, so soll dessen
Antheil dem anderen zufallen. Nach dem Tode des A soll C
als Nacherbe eintreten." Wie im Falle unter Z. 1, so wird
A, wenn B ausschlägt, auch hier Alleinerbe. Nach dem Tode
des letzteren jedoch fällt dem fideikommissarischen Substituten
C merkwürdiger Weise nicht die ganze, sondern nur die Hälfte
der Erbschaft zu.
Vergeblich fragt man sich, wodurch solche Differenzirung
gerechtfertigt sein, und warum die Entscheidung des ersten
Falles nicht ohne weiteres auch im zweiten Falle Geltung
haben soll 3 6). Daß der Vorerbe A den zunächst dem Mit-
35) Vgl. auch Dernburg, Preuß. Privat-R. m, § 159.
36) Die Begründung der Motive v, ©.93 ist mir unverständlich
geblieben.

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