Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Streiszi'lge im Entwürfe eines bürg. Gesetzbuchs f. d. D. R. 175
in den praktisch weitaus häufigsten Fällen der Nacherbener-
nennung soll sich der Erwerb des Nacherben beim Tode
des Vorerben vollziehen. Und wenn erfahrungsgemäß auch
wieder feststeht, daß als Vorerben zumeist nur ältere Personen
eingesetzt werden, welche den Erwerb der Vorerbschaft um mehr
als 30 Jahre zu überleben wenig Aussicht haben, so fehlt es
doch selbstverständlich nicht an Fällen, wo ein solches Ueber-
leben thatsächlich stattsindet. Wollte man aber bei den letzteren
ohne Weiteres mit dem eingangs aufgestellten Grundsätze ope>
riren, so müßte dies von den hierdurch Benachtheiligten als
um so unbilliger empfunden werden, je weniger es vom national-
ökonomischen Standpunkte aus von Belang sein kann, wenn
die ohnedies nur auf approximativer Abschätzung beruhende
Zahl von 30 Jahren hier und da überschritten wird.
2. Der unter Z. 1 postulirte Rechtssatz bedarf somit noch
einer Abschwächung in dem Sinne, daß die aus den Zeitpunkt
des Todes des Vorerben gestellte sideikommissarische Substitution
wirksam bleibt, selbst wenn seit dem Tode des Erblassers auch
schon mehr als 30 Jahre vergangen sind.
3. Die unter Z. 2 gemachte Einschränkung führt aber
wieder fast mit Nothwendigkeit noch zu einer weiteren Ein-
schränkung des unter Z. 1 aufgestellten Grundsatzes. Es kann
nämlich offenbar Vorkommen, daß ein nicht mit dem Zeitpunkte
des Todes des Vorerben zusammentreffender Fall einer Nach-
erbfolge zwar erst nach Ablauf von 30 Jahren nach dem Tode
des Erblassers, aber doch noch bei Lebzeiten des Vorerben ein-
tritt. Würde man bei solcher Sachlage die EinseAung des
Nacherben unwirksam werden lassen, so läge darin deshalb
eine kaum erträgliche Unbilligkeit und Inkonsequenz, weil man
es dabei den Nacherben sonderbarer Weise büßen ließe, daß
der Erblasser die Vinkulirung seines Nachlasses nicht bis zum
Tode des Vorerben verlängert hatte. Man denke ferner etwa

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