Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Prof. Stroh al,

sehen, warum dieselbe nicht so, wie sie getroffen worden ist,
auch zur Durchführung kommen sollte. Denn einerseits ent-
springt das, was der Erblasser will, keineswegs einer wider-
sinnigen Laune, sondern ist klar und verständig und durch
die obwaltende Situation vollkommen motivirt; und anderer-
seits steht schon von vornherein fest, daß die Realisirung
dieses Willens zu einer ungewöhnlich langen und deshalb
nationalökonomisch bedenklichen Vinkulirung des erblasserischen
Vermögens keinesfalls führen kann. Trotzdem erweist sich
obige Verfügung nach dem Rechte des Entwurfs gerade in
dem Punkte als unwirksam, auf welchen der Erblasser offen-
sichtlich entscheidendes Gewicht gelegt hat. Denn wenn ange-
nommen wird, daß die Erbschaft nach dem Tode des Erb-
lassers an die Vorerbin A und nach deren Tode an das in
diesem Zeitpunkte allein vorhandene erstgeborene Kind des B
(als ersten Nacherben) gelangt ist, so wären nach der Vor-
chrift des § 1812 die später erzeugten Kinder des B von der
ihnen nach dem Testamente ihres Großenkels zukommenden
theilweisen Nacherbfolge vollständig ausgeschlossen.
2. Beispiel: Beim Tode eines Erblassers fand sich
folgende Verfügung vor: „Meine drei Enkel (im Alter von
12, 10 und 8 Jahren) sollen mich zu gleichen Theilen be-
erben; stirbt einer oder sterben zwei derselben vor Vollendung
des 16. Lebensjahres, so soll dessen bezw. deren von mir er-
erbtes Vermögen zu gleichen Theilen an die beiden über-
lebenden, bezw. an den allein überlebenden Enkel fallen. Sterben
endlich alle meine Enkel vor Vollendung des 16. Lebensjahres oder
machen dieselben meiner Verfügung gegenüber die Pflichttheils-
verletzung geltend, so soll mein Vermögen nach Deckung der etwa
zu entrichtenden Pflichtteile an meine Heimathsgemeinde gelangen
und von dieser zu (in späteren Absätzen der Verfügung ge-
nauer bezeichneten) wohlthätigen Zwecken verwendet werden."

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