Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Prof. Strohal,

so schloß er seine Mittheilungen — übrigens froh, so durch-
gekommen zu sein, denn in der Tasche befanden sich 3000
Gulden Oe. W. baar und mehrere Sparkassenbücher im
Gesammtbetrage von ebenfalls 3000 Gulden." Als der An-
walt noch am Abende desselben Tages von seinen Geschäften
heimkam und sein Stammgasthaus aufsuchte, mußte er zu seinem
nicht geringen Verdrusse vernehmen, daß die in der Gaststube
zahlreich versammelten Gäste, unter welchen sich auch einer
seiner Reisegenossen befand, gerade lebhaft über die Höhe des
Fundlohns debattirten, welchen er werde zahlen müssen.
Wenige Tage später aber stellte der Vater des Knaben —
es war ein armer Eisenarbeiter — unter Intervention eines
Rechtsfreundes, der sich seiner angenommen hatte, an den An-
walt bereits das Begehren auf Zahlung des seinem Sohne
gebührenden Fundlohns im Betrage von 600 Gulden Oe. W."),
welchem gegenüber sich der Anwalt zuerst durchaus ablehnend
verhielt. Schließlich kam es im Sinne meiner gutächtlichen
Aeußerung, in welcher der Anspruch auf Fundlohn hinsichtlich
des Baarbetrags von 3000 Gulden für begründet, hinsichtlich
der Sparkassenbücher dagegen für nicht begründet erklärt war,
zu einem Vergleiche, dem zufolge der Anwalt 300 Gulden an
Fundlohn bezahlte.
Versuchen wir es jetzt den vorgelegten Fall nach dem
Rechte des Entwurfs zu entscheiden. Hält man sich dabei an
den zunächst jedenfalls maßgebenden § 915, so gelangt man
offenbar zu dem Resultate, daß der Knabe seines Anspruchs

14) Nach österr. Rechte (vgl. §. 391 bürg. G.B.) beträgt der Fund-
lohn zehn vom Hundert des gemeinen Werthes der gefundenen Sache.
„Wenn aber nach dieser Berechnung die Belohnung eine Summe von
tausend Gulden erreicht hat, so soll sie in Rücksicht des Uebermaßes nur
zu fünf vom Hundert ausgemessen werden." Ohne Zweifel sind diese An-
sätze viel zu hoch.

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