Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Streifzüge im Entwürfe eines bürg. Gesetzbuchs f. d. D. R. 149
bessere Lösung gefunden hätten, als ihnen nach dem Rechte
des Reichscivilgesetz-Entwurfs zu Theil würde.
In welcher Weise aber die einschlägigen Fragen einer
sachlich angemessenen und durchaus befriedigenden Erledigung
zugeführt werden können, zeigt das bereits eingangs erwähnte
österr. Gesetz vom 16. Februar 1883. Als besonderer Be-
achtung werth möchte ich aus demselben folgendes hervor-
heben :
1. In konsequenter Fortbildung von schon im früheren
österr. Rechte enthaltenen Gedanken unterscheidet unser Gesetz
vor allem zwischen eigentlicher Todeserklärung und der Beweis-
führung über den erfolgten Tod eines Menschen. Ich beginne
mit der Besprechung der letzteren Institution.
Nicht erst beim Ringtheaterbrande, sondern schon seit
viel längerer Zeit hat sich in der österr. Praxis herausgestellt,
daß die Fälle nicht allzu selten sind, wo der Tod eines Men-
schen nur durch ein ordnungsmäßig abgeführtes Beweisver-
fahren sestgestellt werden kann, und wo sich daher auch aus
eben diesem Grunde der mit der Führung der Sterberegister
betraute Beamte vorläufig außer Stande sieht, den betreffen-
den Sterbefall zu beurkunden. Beispiele: Eine Person ist unter
solchen feststellbaren Umständen, aus welchen auf den erfolgten
Tod derselben geschlossen werden muß, in einen Abgrund
gestürzt, oder beim Baden verunglückt; die Leiche kann aber
nicht gefunden werden. Oder: Hinsichtlich einer seit einem
Theaterbrande vermißten Person, deren Leiche nicht agnoszirt
werden konnte, ist feststellbar: a) daß dieselbe am Unglücks-
abende das Theater besucht und an einem Orte Platz genom-
men hatte, von welchem aus bei größerem Gedränge der
Ausgang nur schwer erreicht werden konnte; d) daß ein in
einem Knäuel von verkohlten Leichen gefundener Stein von

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