Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Dr. Franz Kahn,

Zwei Umstände trüben die Klarheit des Reflexes in dem
vorbesprochenen Beispiel: 1) daß die Verschiedenheit in der
Ausgestaltung des in Rede stehenden Rechtsinstituts, wodurch
die verschiedene privatinternationale Behandlung bedingt wird,
gerade mit der großen Scheidelinie zwischen materiellem und
formellem Recht zusammenfällt, und 2) daß es sich um ein
Rechtsinstitut positivster Art handelt, welches wir uns leicht
als gänzlich fehlend vorstellen können.
Eliminiren wir einmal diese beiden Bedingungen.
Wir denken uns z. B., in Frankreich bestehe die väter-
liche Gewalt noch heute in der Gestalt fort, welche sie im
äroit äerit hatte, d. i. mehr aus dem Gesichtspunkt des Rechts
als aus dem der Pflicht hervorgehend (vgl. oben § 24). Es
folgt daraus, daß nach jenem Recht nach dem Personalstatut
des Vaters die Herrschaft der bezüglichen Rechtsnormen be-
stimmt werden will (vgl. Inaurent VI, S. 11 ff.).
Bei uns folgt aus der Auffassung der väterlichen Gewalt
als überwiegenden Pflichtverhältnisses, daß das Personalstatut
des Kindes maßgebend ist.
Wir nehmen an, hier wie dort folge das Personalstatut
der Staatsangehörigkeit (der deutsche Staat sei z. B.
Sachsen: vgl. oben § 3). Nun sei der Vater in einem vor-
liegenden Falle Deutscher, das Kind Franzose: ein Umstand,
der sowohl durch Naturalisation des Vaters wie des Kindes
sich erklären kann (vgl. § 8 Ziff. 1 u. § 11 unseres Staats-
angehörigkeitsgesetzes, und die obigen Ausführungen in § 16;
nehmen wir statt der väterlichen Gewalt das Beispiel der Vor-
mundschaft, so ist diese Differenz der Personalstatuten natürlich
noch viel leichter zu denken).

theilen sei, lasse sich, wenn der dortigen Auffassung zufolge die Verjährung
ein prozessuales .... Institut sei, nicht annehmen."

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