Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Dr. Franz Kahn,

strebend, daß kaum jemand die Kühnheit hätte, wirklich solche
Wechsel bei uns geltend zu machen. Würde es doch geschehen,
so würde das Gericht schwerlich in obigem Sinne sich über
die Verjährungseinrede auslassen. Wir glauben nicht fehlzu-
gehen, wenn wir annehmen, die Entscheidungsgründe würden
etwa dahin lauten: die Frage des internationalen Privatrechts,
ob — wie es der deutschen Anschauung entspricht — ameri-
kanisches Verjährungsrecht, oder — wie es als amerikanische
Auffassung behauptet wird — deutsches Verjährungsrecht anzu-
wenden ist, kann dahingestellt bleiben, da nach deutschem wie
nach amerikanischem Recht die Wechsel präkludirt sind.
Diese praktisch natürliche Entscheidung muß auch unser
theoretischer Wegweiser sein. Es ist von vornherein zweifellos,
daß die Frage der Verjährung nur nach einem von zwei
Rechten beurtheilt werden kann: entweder nach amerikanischem
oder nach deutschem. Rach ersterem verjähren die Wechsel in
6 Jahren, nach letzterem in 3 Jahren, nach keinem von beiden
sind sie unverjährbar.
Aber — sagt man — die amerikanischen Prozeßgesetze
exiftiren für uns nicht. Wir wenden das amerikanische mate-
rielle Recht an, und in diesem giebt es keine Verjährung.
Gerade hier liegt der Trugschluß.
Jedes Recht ist ein Ganzes, und nur als solches vom
Gesetzgeber gedacht: ein Organismus, bestehend aus funktio-
nirenden Gliedern, nicht ein Mechanismus, dessen Theile sich
beliebig auseinandernehmen lassen.
Es giebt kein amerikanisches Recht, nach welchem die
Wechsel unverjährbar sind. Stellt man ein solches dadurch
her, daß man die Verjährungsnormen als prozessuale abtrennt,
und glaubt man nun die Frage der Verjährung nach dem
übrigbleibenden materiellen Recht überhaupt beantworten zu
können, so ist das widersinnig. Der verstümmelte Rumpf

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