Full text: Volume (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

Gesetzeskollisionen.

111

Das geflügelte Wort Savigny' s ist also jedem Angriff
unnahbar. Wenn man sagt, man könne damit alles und nichts
beweisen (Barl, S. 116), so ist das ganz richtig; aber man
will auch gar nichts damit beweisen, es ist nur eine Ueber-
schrift (vgl. Savigny a. a. O. S. 28 u. 108), nur eine
Formulirung der Frage, nicht eine Antwort oder Lösung; nicht
eine Theorie des internationalen Privatrechts, sondern das
Problem des internationalen Privatrechts selbstl).
§ 24.
Allein die Rechtsverhältnisse sind nichts außerhalb der
einzelnen Rechtsordnungen Gegebenes; kein einziges Moment
in ihrer Natur ist eine s. z. s. „überrechtliche" logische Noth-
wendigkeit (vgl. IHering IV, S. 302 ff.). Was uns als
solche erscheint, ist ein Produkt geschichtlicher Entwickelung,
naturnothwendig nur auf dem Boden unseres so gewordenen
Rechts. „Nach den Rechten aller Völker und aller Zeiten
1) Man könnte übrigens beinahe zweifelhaft sein, ob Savigny selbst
den Satz so allgemein verstanden hat, wie wir ihn heute aufzufassen pflegen.
Ein Rechtsverhältniß ist Savigny eine „Beziehung zwischen Person
und Person, durch eine Rechtsregel bestimmt" (vgl. Bd. I, S. 6 ff. und
S. 333 ff.). Dem entspricht, daß nach der in § 345 (Bd. VIII, S. 10 ff.)
gegebenen „Uebersicht" des internationalen Privatrechts die Rechtsregeln
zum Gegenstand haben: 1) die Personen an sich selbst, die Rechtsfähig-
keit und Handlungsfähigkeit derselben u. s. f. .... 2) die Rechtsver-
hältnisse, unter welch letzteren Sachen-, Obligationen-, Familien- und
Erbrecht genannt werden. Auch in § 350 und sonst wird zwischen dem
Rechtszustand der Person, welche in einem Rechtsverhältniß steht, und diesem
Rechtsverhältniß selbst scharf geschieden. Allein in § 361 (S. H8 ff.) führt
Savigny den Zustand der Person an sich (Rechtsfähigkeit, Handlungs-
fähigkeit) an erster Stelle unter den Klassen der Rechtsverhältnisse
selbst auf und erörtert ihn demgemäß auch im Folgenden unter den „einzelnen
Rechtsverhältnissen". In gleich allgemeinem und weitestem Sinn — ent-
sprechend dem oben angenommenen — steht „Rechtsverhältniß" in der Ueber-
schrift des dritten Buchs und in dem Einleitungsparagraphen (§ 344).

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