Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Gustav Hartmann,

Man kann sich auch nicht etwa herausziehen durch die Sendung,
daß hier nur gegenüber der fremden Eigenthumsquote und in-
soweit der Berechtigte nicht selbst Eigenthümer sei, eine Servitut
als solche bestehe. Denn die Servitut ist überhaupt nicht bloß
und nicht wesentlich ein Recht am Eigenthum *) und gegenüber
dem einzelnen Eigenthümer, sondern ergreift gegen jeden Drit-
ten, habe er ein Recht an der Sache oder nicht, unmittelbar die
ganze Sache selbst. Und untheilbar, wie die Prädialservitut es
ist, muß sie auch nach der Totalität ihres Inhalts diese Sache
als solche ergreifen, auch sofern sie eine eigene Sache des Ser-
vitutberechtigten ist.
Aus einen anderen quellenmäßigen Fall, wo Julian den
aufgeworfenen Zweifel, ob die Servitut fortbestehe: „quia,
quum utraque praedia ejusdem domini facta essent, ipsa
sibi servire non potuissent“ ausdrücklich verwirft, hat schon
I h e r i n g1 2) gelegentlich hingewiesen. Dem unteren Grundstück
ist über das mittlere am oberen eine servitus aquae bestellt.
Der Eigenthümer des unteren herrschenden Grundstücks hat das
Eigenthum des oberen erworben. Es bleibt die ganze Ser-
vitut bestehen, hier des mittleren fremden Grundstücks wegen
auch am eigenen, so daß sie an einen in's herrschende Grund-
stück Succedirenden mit übergeht.
Auch die folgende ganz andere Erscheinung gehört noch in
unseren Zusammenhang hinein, nach einer gleich näher zu erör-
ternden Richtung. Es ist bekannt, daß in den Römischen Duel-
len vielfach Berechtigungen von der Art als Prädialservituten
erwähnt werden, welche nicht darauf gerichtet sind, eine irgend
welche Benutzung, sei es auch eine bloße Raumbenutzung des
Nachbargrundstücks, uns zu sichern, welche vielmehr lediglich
1) Wie Böcking, Pand. § 160 es lehrt.
2) Jahrbücher X, S. 450, fr. 31 d. s. p. r. 8, 3. Julianus li-
bro II, ex Minicio.

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